Berlin : Aktivisten-ABC (Glosse)

Bernd Matthies

Wenn unsere Polizisten schon vor Beginn ihrer Ausbildung wüssten, was ihnen so alles blüht, hätten wir keine Polizisten. Klar: Sie ahnen, dass sie einen großen Teil ihres Berufslebens den störenden Angewohnheiten der Autofahrer widmen müssen, dass sie Jahre ihres Lebens beim Warten auf debile Ausschreitungen verbringen oder die Sache mit dem Bankraub gegen irgend welche Revolverhelden ausschießen müssen. Sowas sieht man ohnehin täglich im Fernsehen, und deshalb kann sich kein Polizist damit herausreden, er habe nicht gewusst, dass der Job so langweilig bzw. gefährlich wird.

Dabei ist alles noch viel gefährlicher. Allein gestern fielen als ungewöhnliche Maßnahmen an: Die Jagden auf eine Kornnatter (Oberschöneweide), auf etwa hundert Ferkel (Autobahn Prenzlau) und auf offenbar lebensmüde Umwelt-Aktivisten (Brandenburger Tor). Nun mag man das Ausbrechen einer freundlichen Schlange oder der zum Schlachten verurteilten Ferkel noch als höhere Gewalt hinnehmen; die seltsamen Turnübungen zwischen Himmel und Erde, vollzogen als Protest gegen einen Staudammbau in Spanien, fallen dann eher ins Fach des höheren Blödsinns laut Aktivisten-ABC: Irgendwas Abgefahrenes machen, sich mit schwerem Stahl anketten (sieht immer nach Opfer und Unrecht aus), von der Polizei abführen lassen. Vorher aber unbedingt die Presse einladen, damit es Bilder gibt, die die spanischen Staudammbauer aber sowas von in die Defensive drängen ...

War was? Die Polizisten sind in der Januarsonne herumgeklettert und haben sich vermutlich gefragt, warum gerade sie für jeden Quark den Kopf hinhalten müssen. Und der Staudamm wird dann sowieso gebaut.

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