Al Farouk Moschee in Potsdam : Moschee zu klein - Biosphäre als Ersatz?

Wegen Platznot in der Al Farouk Moschee bietet Potsdam Muslimen nun Alternativen für Gottesdienste an. Künftig kann die "Orangerie"-Halle der Biosphäre Potsdam genutzt werden.

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Platz fur Muslime. In der Biosphäre Potsdam könnte es künftig Räumlichkeiten für Gläubige geben. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Platz fur Muslime. In der Biosphäre Potsdam könnte es künftig Räumlichkeiten für Gläubige geben.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Für die zu klein gewordene Potsdamer Moschee ist eine Lösung in Sicht. Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) hat am Freitagmorgen bei einem Besuch in der bisherigen Al Farouk Moschee dem Trägerverein die Nachricht überbracht, dass künftig die „Orangerie“-Halle der Biosphäre Potsdam als Gebetsraum genutzt werden kann.

Am Nachmittag wollte sich der Verein die Orangerie anschauen und dann in den kommenden Tagen entscheiden, ob sich diese bisherige Eventhalle der Biosphäre mit ihren riesigen Glasfronten für Andachten eignet. Der Vorschlag, dorthin auszuweichen, hatte sich bereits am Mittwoch abgezeichnet.

Orangerie soll eine Übergangslösung sein

Wie berichtetet, ist die einzige Potsdamer Moschee seit dem Zuzug von vielen Flüchtlingen ab August 2015 zu klein geworden, der etwa 120 Quadratmeter große Gebetsraum reicht nicht mehr aus, beim Freitagsgebet müssen deshalb zahlreiche Muslime auf dem Gehweg beten. Anwohner reagierten genervt und die Potsdamer AfD nutzte die Situation aus. Bereits im Oktober 2015 hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) die Moschee zum Freitagsgebet besucht und versprochen, angesichts der drängenden Raumnot eine schnelle Lösung zu finden. Erst jetzt, also fast ein Jahr später, gibt es nun einen konkreten Vorschlag.

Die Orangerie soll aber nur eine Übergangslösung bis zum Frühjahr 2017 sein, parallel suchen Stadt und Verein weiter nach einer langfristigen Lösung. Allerdings betonte Sozialdezernent Schubert im Gespräch mit dem rbb-Inforadio, dass er hierbei das Land Brandenburg in der Pflicht sieht. Der Moschee-Trägerverein plant ein Gemeindezentrum, in dem bis zu 500 betende Menschen unterkommen sollen. Bei den Gottesdiensten fehlten unter anderem auch Plätze für weibliche Muslime, heißt es. Außerdem soll im neuen Zentrum soziale Arbeit geleistet werden. Ziel ist dabei, dass Gläubige in der Potsdamer Moschee eine Heimat finden und nicht zu muslimischen Gemeinden in Berlin abwandern.

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Kleinere Auseinandersetzungen beim Freitagsgebet

Am Freitagnachmittag versammelten sich erneut so viele Gläubige in und vor der Al Farouk Moschee, dass gut zweihundert Besucher draußen auf dem Bürgersteig beteten. Die AfD hatte erneut in der Nähe einen Stand aufgebaut, der wurde aber überwiegend von linken Gruppen und Mitgliedern der Initiative „Potsdam bekennt Farbe“ umringt, die gegen AfD-Positionen mobilisierten. Bis auf kleinere Auseinandersetzungen blieb die Stimmung friedlich.

Unbekannte hatten vor dem Gebet am Freitag hetzerische Aufkleber an der Moschee angebracht, die unter anderem die „Schließung aller Moscheen in Deutschland“ fordern. Bereits in der vergangenen Woche seien solche Sticker geklebt worden, teilte der Verein mit. Sozialdezernent Mike Schubert schritt bei seinem Besuch in der Moschee sofort zur Tat. Er entfernte die Aufkleber persönlich.

Verein verfolge „keine politischen und nationalistischen Ziele“

Die Stadt Potsdam betonte zudem am Freitag den aus ihrer Sicht friedlichen Charakter des 1998 gegründeten Vereins der Muslime. Dieser sei als gemeinnützig anerkannt, praktiziere und lehre den klassisch-sunnitischen Islam, verfolge „keine politischen und nationalistischen Ziele“ und gehöre keiner Gruppe oder Sekte an, heißt es in der Mitteilung. Im Gegenteil: Die Mitglieder des Vereins distanzierten sich von Gewalt sowie „von Personen oder Gruppen, die dazu aufrufen“.

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