• Al-Qaida-Verdacht: Tunesier aus Berlin muss vor Gericht 33-Jähriger soll versucht haben, islamistische Attentäter auszubilden

Berlin : Al-Qaida-Verdacht: Tunesier aus Berlin muss vor Gericht 33-Jähriger soll versucht haben, islamistische Attentäter auszubilden

Frank Jansen

Der Verdacht wiegt schwer: Mitten in Berlin soll der Tunesier Ihsan G. versucht haben, Islamisten für Anschläge in Deutschland zu trainieren. Vor fast genau einem Jahr nahm ihn ein Spezialeinsatzkommando der Polizei in Charlottenburg fest, jetzt steht der Prozess bevor. Das Kammergericht hat am 5. März, wie gestern bekannt wurde, das Hauptverfahren gegen den 33 Jahre alten Mann eröffnet. Wahrscheinlich werde der Prozess bald nach Ostern beginnen, hieß es in Sicherheitskreisen. Am 12. Januar hatte Generalbundesanwalt Kay Nehm Anklage erhoben. Die Vorwürfe lauten: Versuchte Bildung einer terroristischen Vereinigung, illegale Einreise in die Bundesrepublik, mehrfacher Gebrauch eines gefälschten Passes, unerlaubter Waffenbesitz – sowie Steuerhinterziehung. Der Tunesier hatte in Charlottenburg vor seinem mutmaßlichen Wandel zum Terroristen ein Goldgeschäft betrieben und offenbar das Finanzamt Charlottenburg um mehr als 400 000 Mark getäuscht.

Ihsan G. kam 1996 in die Bundesrepublik und heiratete eine deutsche Frau. 1998 zogen beide nach Berlin. Zunächst jobbte der strenggläubige Tunesier, unter anderem als Dolmetscher für das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge, dann machte er sich selbstständig. Offenbar füllte der Handel mit Gold und Silber Ihsan G. nicht aus, jedenfalls radikalisierte er sich weiter und soll 2001 nach Afghanistan gereist sein, zu Al Qaida. Dort sei er im Umgang mit Waffen und Sprengstoff trainiert worden, sagen Sicherheitsexperten. Ihsan G. habe sich so geschickt angestellt, dass er selber zum Ausbilder avancierte.

Nach dem Terrorangriff des 11. September sei ihm von Al Qaida der Auftrag erteilt worden, in Deutschland Anschläge zu verüben. Im November 2002 habe Ihsan G. das Land verlassen und sei mit gefälschten Papieren in die Bundesrepublik gereist. In der Neuköllner Al-Nur-Moschee habe er Kumpanen Terrortraining erteilt, in einer Wohnung in Gelsenkirchen Utensilien zum Bau von Sprengsätzen gelagert. Ihsan G. bestreitet die Vorwürfe. Und wird von einem einschlägig erfahrenen Anwalt verteidigt: Michael Rosenthal aus Karlsruhe hat bereits den Terrorverdächtigen Abdelghani Mzoudi vertreten, den das Hamburger Oberlandesgericht im Februar freisprach.

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