Berlin : Alarm in Kreuzberg und Mitte: Feuerwehr im Großeinsatz

Aus Angst vor den Flammen sprang in der Cuvrystraße ein Mann in den Tod. In der Chausseestraße brannte eine Fabriketage aus

Werner Schmidt

Weit über 100 Feuerwehrleute waren am Montag bei zwei Großbränden in Kreuzberg und Mitte im Eins atz. In Kreuzberg brannte ein ganzes Wohnhaus aus. Ein 50-jähriger Mann, der auf der Flucht vor dem Feuer aus dem Fenster sprang, starb. Acht weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. An der Chausseestraße 8 in Mitte brannte eine 200 Quadratmeter große Dachgeschosswohnung im 6. Stock aus. Menschen wurden nicht verletzt. Die Mitarbeiter der Werbeagenturen Publicis und Scholz & Friends, die in dem Haus untergebracht sind, mussten das Gebäude für rund zwei Stunden verlassen.

Dichter Qualm und Flammen drang stundenlang aus dem fünfgeschossigen Haus in der Kreuzberger Cuvrystraße 9. Das Feuer hatte sich von unten nach oben ausgebreitet, so dass den Mietern der Fluchtweg verbaut war. In Panik sprangen einige Mieter aus dem brennenden Haus – bevor die Feuerwehr Sprungkissen aufgeblasen hatte. Beim Aufprall auf dem Innenhof, der mit Gerümpel übersäht war, verletzten sich drei Männer schwer. Bei dem 50-jährigen Mieter aus dem ersten Stock halfen auch die sofortigen Wiederbelebungsversuche nicht mehr. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Im fünften Stockwerk harrte ein Mieter rund 20 Minuten aus, während die Flammen immer näher rückten. Er hatte Angst vor dem Sprung ins große Rettungskissen. Am Ende konnten ihn die Feuerwehrleute über das Dach aus seiner furchtbaren Lage befreien.

Insgesamt waren 120 Feuerwehrleute mehr als drei Stunden im Einsatz, rund um das Schlesische Tor kam es zum Verkehrschaos. Das Haus ist jetzt unbewohnbar. In die Ermittlung der Brandursache ist die Kriminalpolizei eingeschaltet. Sie konnte das Haus erst gegen Mittag betreten, nachdem die Flammen gelöscht waren. Ausgebrochen war das Feuer gegen 9 Uhr. Wo, darüber gab es nur Gerüchte. Postbote Dirk Peter berichtete von prall gefüllten Umzugskartons eines Mieters, der erst vor wenigen Tagen eingezogen war. Dutzende Kartons mit Büchern, Kleidung und Wäsche seien im Treppenhaus gelagert worden. Das alles brannte schnell und lichterloh.

Die Kripo hat den Besitzer der Kartons mitgenommen, um ihn als Zeugen zu befragen, wie ein Beamter vom Brandkommissariat des Landeskriminalamtes (LKA) mitteilte. Am Abend bestätigte die Polizei: Es bestehe der Verdacht, dass die Kartons absichtlich angezündet worden seien. Hinweise auf den Brandstifter gibt es aber noch nicht.

Die 30-jährige Maren Niebisch schlief noch, als die ersten Rauchschwaden durch die Türritze in ihre Wohnung drangen: „Als ich die Tür aufmachte, kam mir dicker Qualm entgegen. Ich konnte kaum atmen.“ Sie klopfte bei ihrem Nachbarn, um ihn zu warnen. Entsetzt sahen sie die Situation in der sie sich befanden. Beide sprangen schließlich aus dem Fenster in das Sprungkissen der Feuerwehr, eine Flucht durch das brennende und verqualmte Treppenhaus war nicht möglich. Die Flammen schlugen durch ein halb offenes Treppenhaus – es verbindet das Vorderhaus mit dem rechten Seitenflügel – bis zum Dach. Rauchmelder gab es in den Wohnungen nicht.

Insgesamt verletzten sich sechs Personen bei dem Feuer. Darunter sind auch zwei Feuerwehrleute. Sie zogen sich Rauchvergiftungen zu.

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