Berlin : Alarmstufe Rot bei der PDS

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Wenn Berlin die Bundesrepublik wäre und morgen gewählt würde, dann könnte Gerhard Schröder jetzt ruhiger schlafen. Die rot-grüne Koalition käme auf 50 Prozent, während Stoiber und Westerwelle zusammen magere 33 Prozent erhalten. Insbesondere die Sozialdemokraten dürfen zufrieden sein. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sollte sich jedoch nicht einbilden, die Wähler kreuzten seinetwegen bei der SPD an. Da machten die Berliner schon immer einen feinen Unterschied.

Bei Bundestagswahlen liegt die SPD seit langem deutlich über den Ergebnissen, das die Berliner Genossen einfahren. Auch bei der Bundestagswahl ’98 erhielt die SPD 38 Prozent der Stimmen, bei der Berliner Abgeordentenhauswahl ein Jahr später markierte Spitzenkandiat Walter Momper trotzdem den historischen Tiefpunkt von 22, 4 Prozent. Aus der Umfrage darf deshalb nur eines herausgelesen werden: Die rot-rote Koalition ist in der Normalität der Stadt angekommen und hindert Berliner Wähler offenbar nicht, der SPD ihre Stimme zu geben.

Anders dagegen bei der PDS: Die Sozialisten dürfen sich in all ihren Albträumen bestätigt fühlen. Der Rücktritt von Gregor Gysi als Senator und die klare Haltung der SPD in der Irak-Frage zeigt Wirkung. In Ost-Berlin wollen nur noch 26 Prozent der Wähler Petra Pau und Gabi Zimmer wählen – da kommen die drei fest eingeplanten Direktmandate ins Wackeln. Die Regierungsbeteiligung in Berlin bringt offenbar keinen Schub, sondern hat potenzielle PDS-Wähler desillusioniert. Entzaubert ist auch das Personal der PDS. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren war fast jeder zweite Ost-Berliner der Meinung, dass die PDS besonders fähige Politiker an der Spitze hat – jetzt sind es nur noch 26 Prozent. Bei der PDS ist jetzt Alarmstufe Rot. Berlin könnte die Trendwende markieren – in die Bedeutungslosigkeit. gn

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