Berlin : Albtraum zu Neujahr

Mutmaßlicher Vergewaltiger einer Taxifahrerin steht in Potsdam vor Gericht.

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Berlin/Kleinmachnow - „Mach, was ich will, oder ich töte dich!“ Für eine 52-jährige Berliner Taxifahrerin begann das neue Jahr mit einem Albtraum. Nahe dem Ku’damm war am Morgen des 1. Januar 2012 ein angetrunkener junger Mann eingestiegen und hatte sich an den südlichen Stadtrand fahren lassen. Hier, in Kleinmachnow, hatte er sie hin- und hergelotst. In einem Waldweg drückte er die Frau laut Anklage in den Sitz. Der Mann befahl seinem Opfer, sich auszuziehen. Anschließend verging er sich an der Frau.

Wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung steht seit Donnerstag ein 35-jähriger gebürtiger Berliner vor dem Landgericht Potsdam. Die Polizei hatte ihn anhand von DNA-Spuren überführt – die Taxifahrerin war nicht sein erstes Opfer. Zum Prozessauftakt gab sich der Angeklagte reumütig und verzweifelt. Der 35-Jährige, der nach eigenen Angaben aus einer heilen Familie in Lichtenberg stammt, aber in Schule und Beruf versagte, habe nicht geplant, über die Frau herzufallen. Zudem bestritt er eine Tötungsabsicht.

Bei dem Prozess kam auch eine Verurteilung in Berlin wegen Vergewaltigung zur Sprache. Im Gefängnis lernte er seine heutige Freundin, eine 15 Jahre ältere Justizvollzugsbeamtin kennen. Mit ihr lebte er zuletzt in ihrem Haus in Stahnsdorf. Dorthin wollte er sich in der Tatnacht fahren lassen, erklärte der Mann. Kurz vor dem Zuhause wollte er sich absetzen lassen, damit seine Freundin nicht bemerkte, wo er die Nacht verbracht hatte – beim Silvesterfeiern in Berlin. Als er die Taxifahrt in dem Kleinmachnower Waldweg bezahlen wollte, habe es ihn überkommen, sagte der Mann. „Ich habe mich von ihrer Aufmachung angezogen gefühlt.“ Rock, Stiefel – „Alltagskleidung“, wie die Richterin bemerkte. Er sei aber nicht zum Zuge gekommen, sagte der Angeklagte. „Ständig klingelte das Telefon, die Erektion ließ nach.“

Zudem habe es das Opfer geschafft, so sagte eine ermittelnde Kriminalistin aus, auf ihren Peiniger einzureden. „Das fand ich sehr tapfer“, sagte die Oberkommissarin. Die Taxifahrerin konnte den Mann schließlich dazu bewegen, gemeinsam in ein Hotel zu fahren. Dabei kamen sie an einem Wachmann vorbei und die Frau schaffte es, auf sich aufmerksam zu machen. Der Wachmann rief die Polizei, der Täter floh. Etwa fünf Wochen später wurde er festgenommen.

Für den Prozess sind drei Verhandlungstage anberaumt.Thomas Lähns

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