Berlin : Aldi und Lidl sind von Anwohnern nicht zu stoppen

Supermarktketten wollen überall neue Filialen bauen Bürgerinitiativen wehren sich – bisher wenig erfolgreich

Thomas Loy

Im Kampf gegen neue Aldi- und Lidl-Märkte in Berlin sitzen die Anwohner offenbar am kürzeren Hebel. In der Charlottenburger Gervinusstraße wird demnächst die Baugenehmigung für einen neuen Lidl- Markt erteilt, erklärt der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). In der Schwedter Straße in Prenzlauer Berg scheiterte ein Klageverfahren gegen einen neuen Aldi-Markt. Im Pankower Diplomatenviertel an der Esplanade stehen sogar ehemalige Botschaftsgebäude vor dem Abriss, um Platz zu schaffen für einen weiteren Aldi. An allen drei Standorten wehren sich Bürgerinitiativen seit Jahren gegen die Supermarkt-Pläne. Sie befürchten mehr Lärm, mehr Verkehr und Billigarchitektur.

Aldi, Lidl und andere Discountmärkte liefern sich zurzeit einen aggressiven Wettbewerb um die besten Standorte in Berlin. „Die Kassen sind offenbar gut gefüllt“, sagt Baustadtrat Gröhler. Allein für Lidl und Aldi laufen derzeit in Charlottenburg-Wilmersdorf sieben Antragsverfahren für Neubauten. In Pankow sieht es ähnlich aus. „Die meisten Bauanträge sind von Verbrauchermärkten", sagt der Pankower Baustadtrat Martin Federlein (CDU), in der Regel Billigketten. „Lidl ist am aggressivsten.“

Federlein muss von Anwohnern und Parteien viel Kritik für die Neuansiedlungen einstecken. Michail Nelken, PDS-Abgeordneter, spricht sogar von „Stadtzerstörung“. Auch die Grünen fordern, geeignetere Alternativstandorte zu suchen. In der Schwedter Straße hat Aldi allerdings schon Tatsachen geschaffen. Dort gibt es nur noch Streit um die Gestaltung der Zufahrtsstraße. Weiter nördlich an der Esplanade ist Federlein selbst nicht glücklich über den Standort. Hier kann er sich allerdings auf seinen Vorgänger berufen – pikanterweise ein PDS-Mann. Der hatte eine Bauvoranfrage zugunsten von Aldi entschieden. Der Versuch, die Botschaften unter Denkmalschutz zu stellen, sei leider gescheitert, sagt Federlein. Gleich um die Ecke von der Esplanade baut bereits „Norma“. Lidl hat sich auch schon ein Grundstück in der Nähe gesichert. Es gilt die Regel: Ein Discounter kommt selten allein.

Herr Schröder, Geschäftsführer der Aldi-Gesellschaft Berlin, will seinen Vornamen nicht nennen und widerspricht der Einschätzung, Aldi suche immer die Nähe von Lidl. Wenn überhaupt, verhalte es sich genau umgekehrt. Dass es Ärger mit Anwohnern gebe, sei ihm nicht bekannt. Herr Schröder spricht lieber von „Interessenkonflikten“, etwa in der Heilbronner Straße in Charlottenburg. Dort konnte eine Bürgerinitiative verhindern, dass sich neben einem geplanten Lidl-Markt auch noch Aldi und Getränke Hoffmann ansiedeln. Lidl baut jetzt ein Stück entfernt in der Gervinusstraße. Aldi hat einen neuen Bauantrag für ein anderes Grundstück an der Heilbronner Straße gestellt.

Herr Schröder ist für 54 Aldi-„Verkaufsstellen“ im Nordwestteil der Stadt zuständig. In seinem Gebiet würden neue Märkte vor allem deshalb eröffnet, um alte zu ersetzen. Alte Aldi-Läden sind oft wesentlich kleiner und haben keine eigenen Parkplätze, bestätigt auch Baustadtrat Gröhler. Grundstücke für neue Filialen zu finden, sei nicht einfach, sagt Schröder. „Es gibt zu wenig Freiflächen in der Innenstadt.“ Oftmals stünden auch stadtplanerische Argumente einer Ansiedlung entgegen. Auch Einwände von Anwohnern nehme man „sehr ernst“, so Schröder – aber aufhalten lässt man sich dadurch nicht. Rein rechtlich gebe es kaum Handhaben, Bauanträge von Discountern abzuweisen, sagen Federlein und Gröhler unisono.

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