Berlin : Alexander Kolbe: Der Traum vom eigenen Wolkenkratzer

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Projekte in Berlin, Wittenberg und Wien - Alexander Kolbe ist ein vielbeschäftigter Mann. Verständlich, dass der Architekt die Pressekonferenz zum zweiten Bauabschnitt des Märkischen Zentrums in Reinickendorf vorzeitig verlassen musste. Als dann bei einer späteren Frage zum Entwurf jemand bemerkte, der 38-Jährige sei "leider viel zu früh von uns gegangen", kam es zum fatalen Missverständnis. Im Bericht über das Projekt war vom "verstorbenen" Architekten die Rede. Verständlich, dass das Telefon im Schöneberger Büro gestern nicht still stand. Freunde, Kollegen und Geschäftspartner können beruhigt sein, Alexander Kolbe erfreut sich bester Gesundheit und ist voller Tatendrang.

"Totgesagte leben länger", sagt Alexander Kolbe, der 1985 zum Architekturstudium an der Technischen Universität "als Vorhut der Bonner" aus dem Rheinland nach Berlin kam und nie wieder an einen Umzug dachte. Noch im ersten Semester fand der Student einen Job als Bauzeichner bei James Stirling und arbeitete am Projekt Wissenschaftszentrum mit. Aus dem Studium heraus ging es sofort in die Selbstständigkeit. Dachausbauten bildeten den Grundstein einer vielversprechenden Karriere. Die Diskothek BLU am Potsdamer Platz trägt ebenso Kolbes Handschrift wie eine Wohnanlage in Heiligensee und diverse Burger King-Filialen. Bisher größtes Projekt war der Umbau des ehemaligen Außenhandelsministeriums Unter den Linden zu einem Bürogebäude des Deutschen Bundestages. In Wittenberg in Sachsen-Anhalt entsteht ein Hotel- und Congresszentrum und mit dem Entwurf für ein Wohn- und Bürohaus im Lenné-Dreieck wurde das Büro gerade einer der beiden Hauptpreisträger eines Gutachterwettbewerbs. Der vom britischen Investor Hammerson geplante Ausbau des Märkischen Zentrums ist Zeichen einer zunehmenden Internationalisierung. Am Wettbewerb für ein Shopping-Center in Dubai hat man sich ebenso beteiligt wie bei der Ausschreibung des TV-Turms von Hanoi. In Wien entsteht das europäische Datenzentrum eines US-Kommunikationsunternehmens.

Seit letztem Juli ist Michelle Overly aus Ohio Partnerin von "Alexander Kolbe & Associates" und für die ausländischen Kunden zuständig. Die 32-jährige Architektin kam nach dem Studium 1992 nach Berlin und kann sich keine andere Wahlheimat mehr vorstellen. Mit einem englischen Architektenbüro wird eine Kooperation vorbereitet. Zwölf Mitarbeiter zählt heute das Büro in der Belziger Straße. Neben der klassischen Architektur hat man sich auf Dienstleistungen spezialisiert, ein eigenes Team erstellt so genannte Raumbücher, in denen die Informationen aller Beteiligten eines Bauprojektes gebündelt erfasst werden. Beim Wettbewerb um das MAX-Hochhaus in Frankfurt am Main kamen die Berliner unter die letzten 25 Kandidaten.

Einen Wolkenkratzer zu bauen, möglichst in der Hauptstadt, ist der Lebenstraum Alexander Kolbes: "Ich bin mit Leib und Seele Berliner, fühle mich hier pudelwohl." Entspannung findet der 38-Jährige bei seinen Hobbys. Das sind Kochen, Reisen und insbesondere seine drei Söhne.

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