• Alexanderplatz in Berlin: Gedenktafel für Jonny K. wird am Todestag in Boden eingelassen

Alexanderplatz in Berlin : Gedenktafel für Jonny K. wird am Todestag in Boden eingelassen

Am 14. Oktober jährt sich die tödliche Prügelattacke auf Jonny K. am Alexanderplatz. Zu diesem Anlass soll eine Mahntafel in den Boden eingelassen werden. Die juristische Aufarbeitung des Falls ist noch nicht vorbei: Alle sechs verurteilten Schläger haben Revision eingelegt.

Schild in der Rathaus-Passage am Alexanderplatz.
Schild in der Rathaus-Passage am Alexanderplatz.Foto: dpa

Ärzte konnten den jungen Berliner Jonny K. nicht mehr retten. Vor einem Jahr, am 14. Oktober 2012, starb der 20-Jährige nach einer Prügelattacke an Gehirnblutungen. Bundesweit hatte der Gewaltexzess Entsetzen hervorgerufen. „Jonny soll nicht vergessen werden“, sagte seine Schwester Tina der Nachrichtenagentur dpa. Zum ersten Todestag ihres Bruders hat sie ein Gedenken organisiert. Am Montag solle am Tatort nahe dem Alexanderplatz als Mahnung eine Metalltafel in den Boden eingelassen werden.

Das Landgericht in der Hauptstadt hatte im August sechs Schläger wegen des Angriffs auf Jonny K. und dessen Freund verurteilt. Als Haupttäter bekam Onur U. wegen Körperverletzung mit Todesfolge eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren. Drei junge Erwachsene wurden zu Freiheitsstrafen von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt, zwei weitere sollen nach Jugendrecht zwei Jahre und drei Monate in Haft. Bis auf den Deutsch-Türken Onur U. sind die Verurteilten mit Auflagen auf freiem Fuß. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

„Dass die Fünf draußen rumtanzen, ist ein komisches Gefühl“, sagte Tina K.. Sie sei froh, dass sie ihnen noch nicht wieder begegnet ist. Den Prozess hatte sie aufmerksam verfolgt, sie kam zu jedem Termin ins Gericht und sah den Schlägern ins Gesicht.

Prozessbeginn im Fall Jonny K.
Seit Mitte Mai müssen sich die sechs Angeklagten im Fall Jonny K. vor Gericht verantworten. Sie sollen Jonny K. im Oktober 2012 in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes mit Tritten und Schlägen attackiert haben. Kurz danach erlag das Opfer seinen Gehirnblutungen. Seine Schwester, Tina K., wohnt dem Prozess bei. „Ich will wissen, wer schuld ist“, sagte die 28-Jährige vor Prozessbeginn.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: Reuters
13.05.2013 13:26Seit Mitte Mai müssen sich die sechs Angeklagten im Fall Jonny K. vor Gericht verantworten. Sie sollen Jonny K. im Oktober 2012 in...

Die sechs jungen Männer akzeptieren die Schuldsprüche am Ende nicht. „Alle haben Revision gegen ihre Verurteilung eingelegt“, sagte Gerichtssprecher Tobias Kaehne der dpa. Mit einer Entscheidung sei in diesem Jahr wohl nicht mehr zu rechnen, hieß es in Gerichtskreisen.

Jonny K. wollte einen Streit schlichten

Das Landgericht urteilte, dass der Deutsch-Türke Onur U. das tragische Geschehen auslöste, als Jonny K. mit Freunden nach einem Barbesuch auf dem Heimweg war und auf eine andere, unbekannte Gruppe traf. Jonny wollte einen aufkeimenden Streit schlichten. Doch der trainierte Boxer Onur U. versetzte ihm laut Urteil einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht.
Dies war für die Freunde von Onur U. laut Urteil das Signal für die weitere Attacke. Offen blieb aber, ob der ungebremste Sturz oder Tritte und Schläge zum Tod von Jonny K. führten. Der zunächst in die Türkei geflüchtete Ex-Boxer bestritt, Jonny K. auch nur angerührt zu haben. Wuchtige Schläge gegen dessen Freund gab er aber zu. Dieser wurde schwer verletzt. Alle Männer entschuldigten sich, keiner übernahm aber Verantwortung für den Tod des schmächtigen Schülers.

Schwester von Jonny K. wirbt mit ihrem Verein für ein friedliches Miteinander

Tina K. engagiert sich seit dem Tod ihres Bruders öffentlich gegen Gewalt, wirbt in Schulen für ein friedliches Miteinander, sammelt Spenden Prominenter ein und hat einen Verein gegründet. Dieser versteht sich als Anlaufstelle für Veränderung. „Wir müssen jungen Menschen eine Perspektive geben“, erklärt Tina K. ihr Engagement. Die 29-Jährige möchte auch ein Jugendzentrum gründen.

Der gesellschaftliche Dialog zur Ächtung von Gewalt müsse weitergeführt werden, betont auch der Opferbeauftragte des Landes Berlin, Roland Weber. Obwohl die Zahl der Fälle von Gewaltkriminalität bundesweit zurückgehe, steige die der Opfer. „Gewalt ist leider nach wie vor ein Alltagsphänomen, dem wir entgegentreten wollen und müssen, sagte der Anwalt. (dpa)


» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

17 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben