Alexanderplatz : Neonazi-Kleidung unerwünscht

Am Berliner Alexanderplatz muss die bei Neonazis beliebte Modemarke Thor Steinar ihren Laden schließen. Jetzt gibt es Proteste gegen ein neues Geschäft.

Johannes Radke
Protest gegen Thor Steinar
Auch gegen den derzeitigen Laden gab es organisierten Protest. -Foto: ddp

Die Inhaber der umstrittenen Modemarke Thor Steinar wollen ein neues Ladengeschäft in Berlin eröffnen. Die Marke ist vor allem bei Neonazis beliebt. Das bisherige Thor-Steinar-Geschäft im Berlin-Carré am Alexanderplatz muss Ende des Monats schließen. Nach breiten Protesten hatte die Wohnungsbaugesellschaft Mitte im vergangenen Sommer den Mietvertrag gekündigt. Nach Informationen des Tagesspiegels hat die Firma bereits andernorts wieder Räume angemietet. In der kommenden Woche soll der neue Laden eröffnet werden. Die genaue Adresse ist bislang nicht bekannt. Szenekenner gehen davon aus, dass das Geschäft wieder im Zentrum liegen wird. Die Mediatex GmbH aus Königswusterhausen, die für Thor Steinar auftritt, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Linke Gruppen planen Protestaktionen gegen das neue Geschäft. „Wir werden so lange mit Aktionen gegen den Laden protestieren, bis auch dieser wieder schließen muss“, sagt Silvio Kurz, Sprecher der Initiative „Stop Thor Steinar“. Der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber hat angekündigt den neuen Vermieter – sobald er bekannt ist – aufzufordern das Mietverhältnis zu kündigen. Schreiber geht davon aus, dass dem Eigentümer der Räume nicht klar ist, um was für eine Marke es sich bei Thor Steinar handelt. Auch die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus will sich gegen die Szenemarke engagieren. „Über solche Kleidung wird der Kontakt zwischen der rechten Szene und jungen Leuten aufgebaut“, sagt die Grünen-Abgeordnete Clara Herrmann. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Grünen vor dem Thor-Steinar-Laden Flugblätter verteilt, um über die Hintergründe der Marke zu informieren. Thor Steinar ist für Rechtsextremisten „ein identitätsstiftendes Erkennungszeichen“, bestätigt Geert Piorkowski vom Verfassungsschutz Brandenburg. „Sie bezeichnen die Firma in ihren Internetdiskussionsforen als ,zur Bewegung gehörig‘, die Bekleidung ,werde nicht ohne Grund getragen‘.“

Vor drei Jahren war das Runen-Logo der Marke aufgrund der Ähnlichkeit mit Symbolen aus dem Nationalsozialismus in Brandenburg, Berlin und Tschechien zeitweise verboten worden. Daraufhin änderte Mediatex das Motiv. Den zwei Ladengeschäften der Mediatex GmbH in Leipzig und Magdeburg droht nach Protesten ebenfalls die Kündigung. Die Berliner Immobilienfirma Immovaria hat eine Räumungsklage gegen den Leipziger Thor-Steinar-Laden eingereicht. In Magdeburg verhandelt das Landgericht wegen der Räumungsklage eines Vermieters gegen Mediatex. Das Tragen der Marke ist inzwischen in vielen Berliner Klubs sowie im Stadion bei Spielen von Hertha BSC verboten.

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