Berlin : Alkohol am Ruder – Steuermann nach Kollision verurteilt

Lastkahn rammte Kladower Steganlage und beschädigte Sportboote. 46-Jähriger erhielt Bewährungsstrafe

Kerstin Gehrke

Die Fahrt sollte von Berlin nach Magdeburg gehen. Doch schon auf der Unteren Havel-Wasserstraße in Kladow änderte die „Heide-Luise“ plötzlich ihren Kurs. Ab Kilometer 13 zog sie immer wieder nach Steuerbord. Andrzej Z. stand am Ruder, aber er merkte nichts. Bis der Lastkahn in die Steganlage des Segler-Clubs Oberspree fuhr und außerdem zehn Sportboote beschädigte. Vor dem Amtsgericht Tiergarten räumte der 46-jährige Pole gestern ein, dass er Alkohol getrunken hatte. Bei einem kleinen Nickerchen hatte er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft das Ruder verzogen.

Andrzej Z. hatte etwa eine halbe Stunde vor der Kollision am frühen Nachmittag des 7. Juli vergangenen Jahres das Steuer des Gütermotorschiffs übernommen. Der 55-jährige Kapitän hielt sich in jenen Minuten unter Deck auf. Dennoch saß er nun mit auf der Anklagebank. Er habe seinem Hilfsschiffsführer Z. das Ruder übergeben, obwohl er die erhebliche Alkoholisierung des Mannes hätte bemerken müssen, hieß es in der Anklage. Diesen Vorwurf aber bestritt der Kapitän aus Minden. Und zweifelsfreie Beweise sah das Gericht am Ende nicht und entschied in seinem Fall auf Freispruch.

Bei dem Unglücks-Steuermann hatte die Wasserschutzpolizei sofort „starken Alkoholgeruch in der Atemluft“ festgestellt. Tatsächlich hatte er noch zwei Stunden nach der Kollision 1,9 Promille Alkohol im Blut. Er könne von Glück reden, dass es keine Verletzten zu beklagen gab, hieß es vor Gericht. Personen, die sich auf den Sportbooten aufhielten, hatten den gefährlichen Kurs der „Heide-Luise“ bemerkt und ihre Schiffe schnell verlassen.

Insgesamt entstand ein Sachschaden von mehr als 124000 Euro. Wegen fahrlässiger Gefährdung des Schiffsverkehrs wurde Andrzej Z. gestern zu einer Haftstrafe von vier Monaten auf Bewährung verurteilt.

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