Berlin : Alkohol am Steuer: Betrunkene Autofahrer härter bestrafen? PRO von Stephan Wiehler

Lassen wir die ernüchternden Zahlen an dieser Stelle mal beiseite. Reden wir nicht von Promille und Prozenten, mit denen wir den ansteigenden Gehalt von Blutalkohol gegen verminderte Reaktionsfähigkeit aufrechnen, um daraus die Längen von Bremswegen herzuleiten. Reden wir nicht davon, wie viele Trunkenbolde jährlich bei Polizeikontrollen aus dem Auto steigen und über die Straße taumeln, bevor sie ihrem Führerschein den Abschiedsmarsch blasen.

Zum Thema Ted: Sollen betrunkene Fahrer härter bestraft werden? Reden wir nicht über die Täter, sondern von den Opfern. Von den Fußgängern, Zweirad- und Autofahrern, die von alkoholisierten Verkehrsteilnehmern in einen Unfall verwickelt wurden. Von jenen, die das Pech hatten, die Schlangenlinien betrunkener Fahrer zu kreuzen. Warum machen wir Alkoholsünder nicht bekannt mit den Überlebenden? Die Opfer sich selbst überschätzender, gedankenloser, berauschter Raser sitzen in Rollstühlen oder liegen im Koma, manche brauchen Monate oder gar Jahre, um wieder sprechen oder gehen zu lernen, oder sie bleiben Pflegefälle ein Leben lang. Alkohol am Steuer ist kein Kavaliersdelikt. Doch nach einem feucht-fröhlichen Abend in geselliger Runde lässt sich kaum jemand von der Gefahr des Führerscheinentzugs, von Punkten in Flensburg oder von einer saftigen Geldstrafe abhalten, doch noch selbst zu fahren. Wer aber alkoholisiert hinterm Steuer erwischt wird, sollte gleich beim ersten Mal empfindlich bestraft werden: Ein paar Wochenenden Sozialdienst in einem Pflegeheim oder einer Rehaklinik könnten das Bewusstsein für die Verantwortung im Straßenverkehr durchaus fördern. Wer ein Opfer des Alkohols gefüttert oder gewindelt hat, dürfte schlagartig ernüchtert sein - und das Erlebnis so schnell nicht vergessen.

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