Berlin : Alkoholtod: Bezirk fordert Runden Tisch

Stadtrat schließt Bar, in der 16-jähriger Schüler ins Koma fiel und verlangt bessere Kooperation mit Polizei

Hannes Heine,Tanja Buntrock

Nach der Schließung einer Charlottenburger Kneipe kritisiert der zuständige Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte (SPD) die mangelnde Zusammenarbeit der Behörden. Nach dem Alkoholtod eines 16-jährigen Schülers hatten Polizei und Staatsanwaltschaft drei Wochen lang ermittelt, bevor der Bezirk am Montag die erforderlichen Unterlagen zugestellt bekam. „Das dauerte viel zu lange“, sagte Schulte.

Nachdem er die Akten gelesen hatte, habe er noch am Dienstagabend angeordnet, dass die „Eye-T“ am Spandauer Damm geschlossen wird. „Bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz müssen wir in Zukunft schneller von der Polizei informiert werden“, sagt Schulte. Die Polizei wollte sich gestern zu dieser Forderung vorerst nicht äußern.

Schulte schlägt nun in seinem Bezirk einen Runden Tisch vor. Hier sollen neben den Ordnungs- und Jugendämtern auch die Polizei und Gaststättenvertreter teilnehmen. Der Stadtrat fordert, dass polizeiliche Ermittlungserkenntnisse zukünftig „frühzeitig und unbürokratisch“ an die Bezirksämter weitergegeben werden. Notfalls müsse auch über eine Änderung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen nachgedacht werden. Erst kürzlich hatten sich Stadträte und Mitarbeiter aus mehreren Bezirksämtern über die oft langwierigen Verfahren bei Jugendschutzverstößen beklagt.

Entsetzt gewesen sei Schulte darüber, wie oft der Wirt der „Eye-T“-Bar gegen die Jugendschutzbestimmungen verstoßen habe. Genaueres wollte der Stadtrat gestern jedoch nicht sagen, weil das Verfahren noch laufe. „Nach unserer Einschätzung ist der Betreiber nicht zuverlässig genug, um eine Bar ordnungsgemäß führen zu können“, sagte er lediglich. Wegen der Schwere der Vorwürfe habe seine Behörde schnell handeln müssen. Der Konzessionsentzug sei auch „ein Signal“ an andere Gastwirte gewesen. Das Wirtschaftsamt hatte die Räume der „Eye-T“-Bar zusammen mit der Polizei um kurz vor 19 Uhr am Dienstag versiegelt.

Der Inhaber der Kneipe, Aytac G., zeigte sich zutiefst erschüttert darüber, dass seine Lokal geschlossen wurde. „Ich weiß noch immer nicht, was mir vorgeworfen wird und wogegen ich verstoßen haben soll“, sagte er dem Tagesspiegel. Er habe lediglich die Auskunft bekommen, dass nicht noch weitere Jugendlichen gefährdet werden sollen, sagte G. Der Wirt hat nun einen Anwalt eingeschaltet und will rechtliche Schritte gegen die Schließung seines Ladens einleiten. Aytac G. betont weiterhin, dass der 16-jährige Lukas W. bei ihm nichts Hochprozentiges zu trinken bekommen habe. „Ich bleibe dabei: Ich habe ihm ein Bier hingestellt, dafür gibt es Zeugen“, sagt der Wirt.

Lukas W. war Ende Februar mit einem Blutalkoholwert von 4,4 Promille in der Bar zusammengebrochen und später an den Folgen verstorben. Er soll insgesamt rund 50 Tequilas getrunken haben. Wo genau er die Schnäpse bekommen hat, ist offenbar noch unklar. Aytac G. zufolge habe der Schüler erzählt, dass er zuvor im „Reich und Schön“ nahe dem Potsdamer Platz war. Der Club war gestern zu keiner Stellungnahme bereit.

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