Berlin : Alle Farben dieser Welt auf den Straßen von Kreuzberg

Mit dem Fest am Blücherplatz begann gestern der 11. Karneval der Kulturen Heute gibt es einen Umzug für Kinder. Morgen startet die große Parade der Erwachsenen

Sebastian Leber

Der Kranich ist nicht irgendein Vogel. Er fühlt sich auf allen Kontinenten zu Hause, und er fliegt jedes Jahr um die halbe Welt. Außerdem steht er in asiatischen Ländern für Frieden und Glück – da bietet es sich an, dass der Kranich heute als Maskottchen für den Kinderumzug des Karnevals der Kulturen dient. Ab 13.30 Uhr ziehen die Kleinen vom Mariannenplatz aus durch Kreuzberg. Gegen 15 Uhr kommen sie im Görlitzer Park an, wo Hüpfburgen, Klettergerüste und Seilbahnen warten. Man könne auch im Zug mitlaufen, ohne sich als Kranich zu verkleiden, sagen die Veranstalter. Es reiche schon aus, wenn man die Aufgeschlossenheit des Vogels in seinem Herzen trage.

Gefeiert wurde auch gestern schon: Am Nachmittag startete der elfte Karneval der Kulturen mit dem traditionellen Straßenfest rund um den Blücherplatz, am Abend sollte in den nahe gelegenen Clubs weiter gefeiert werden. Heute und morgen läuft das Straßenfest jeweils von 11 Uhr bis Mitternacht, am Montag noch einmal von 11 bis 19 Uhr. Insgesamt haben sich 900 Musiker, Akrobaten, Zauberer und andere Kleinkünstler angesagt, dazu gibt es rund 400 Stände mit Essen, Getränken oder Kunsthandwerk. Auch diverse soziale, politische und kulturelle Initiativen stellen sich vor.

Am Pfingstsonntag folgt dann der alljährliche Höhepunkt: der Straßenumzug vom Hermannplatz über die Gneisenaustraße bis zur Yorckstraße. Die erste Gruppe zieht um 12.30 Uhr los, die letzte soll – wenn alles nach Plan läuft – gegen 21.30 Uhr ins Ziel kommen. Mehr als 100 Gruppen – von „A real tobago legend“ aus der Karibik bis zum Berliner Soundsystem „Yaam“ (diesmal mit den Rappern „Ohrbooten“ an Bord) haben sich dieses Jahr angemeldet. Die Veranstalter rechnen mit 4300 Tänzern und Musikern aus mehr als 70 Kulturen. Mindestens so viele Zuschauer wie im vergangenen Jahr wünschen sie sich: 1,5 Millionen. Auch das Wetter könnte mitspielen. Laut Vorhersage soll es nicht zu kühl werden und der Regen ausbleiben. Dass die Teilnehmerzahl wegen des Amoklaufs nach der Eröffnung des Hauptbahnhofs sinken könnte, glauben die Veranstalter nicht. Außerdem standen sie in den vergangenen Tagen in ständigem Kontakt zur Polizei, die „mit ausreichend Personal vor Ort sein wird“.

Wer beim Umzug die brasilianischen Capoeira-Gruppen bewundert und den Kampftanz auch einmal ausprobieren möchte, hat außerdem noch bis Montag die Chance, beim siebten Internationalen Capoeira Festival an Workshops teilzunehmen. Die finden in der Sporthalle Schöneberg am Sachsendamm 12 statt, näheres steht im Internet unter www.capitaes-de-areia.com. Und wer beim Training merkt, dass ihm das Kampftanzen liegt, kann beim nächsten Karneval der Kulturen ja vielleicht selbst in der Parade mitlaufen.

Das vollständige Programm, die Club-Partys und die Reihenfolge der Tanzgruppen beim Umzug findet man im Internet unter www.karneval-berlin.de. Informationen gibt es auch telefonisch unter 609 77 00.

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