Berlin : Alle Flüge führen nach Berlin

Am Wochenende landen über 100 Hobbypiloten in Tempelhof und Schönefeld. Doch nicht jeder kennt sich hier aus

Annette Kögel

So viel Flugverkehr wie an diesem Wochenende hat es über der Stadt schon lange nicht mehr gegeben. Doch offenbar weiß nicht jeder Pilot genau, wo Landebahn und Leuchtfeuer liegen: Um die Teilnehmer der Motorflugrallye „Rund um Berlin“ aus den Niederlanden, Schweden, Dänemark und Deutschland über ihre Route zu informieren, hat der veranstaltende Berliner „Luftsportclub SXF“ den Piloten sogar aus dem Cockpit heraus gefilmte Videos angeboten: Da sieht man, wo es über Dächer, Felder und Flüsse hinweg langgeht.

„Für alle Piloten, die den Luftraum über Berlin nicht kennen oder lange nicht beflogen haben, stellt der Veranstalter auch für 2003 ein Infovideo zur Verfügung“, heißt es auf der Internetseite ( www.sxf.de ). Das Filmmaterial solle beim Sichtflug zusätzlich zu den Karten als Orientierungshilfe dienen, sagt Wolf Glaeser vom Luftsportclub SXF. Die Hobbyflieger seien natürlich trotzdem verpflichtet, sich offizielles Kartenmaterial zu besorgen, sagte der Sprecher der Berliner Flugsicherung, Gerhard Schanz. Im kontrollierten Flugraum über Berlin müssen sich die Piloten dann nach den Anweisungen der Lotsen richten. Anlässlich der Rallye „Rund um Berlin“ wollen heute 55 Kleinflugzeuge in Tempelhof landen – Sonntag fliegt die Flotte nach Schönefeld. Zudem werden weitere 55 Motorflieger erwartet, die für den Sternflug des Deutschen Aero-Clubs aus ganz Deutschland Richtung Tempelhof starten.

Die Teilnehmer der Rallye mit einmotorigen Cessna- oder Piper-Modellen sind nach Angaben der Veranstalter „Experten mit Pilotenschein“, die für diese Lizenz von den Sicherheitsbehörden überprüft wurden. Einen besonderen Check vor dem Hintergrund des 11. September und der Amokflüge von Mailand und Frankfurt hat es Wolf Glaeser vom SXF-Fliegerclub zufolge nicht gegeben.

Rosemarie Meichsner, Sprecherin der Berlin Brandenburg Flughafen Holding, sagt aber, dass bei den Veranstaltungen damit zu rechnen sei, dass Mitarbeiter des Luftfahrtbundesamtes wie beim Linien- und Charterbetrieb punktuell Kontrollen vornehmen. Dass es zu Unglücksfällen kommen könnte, hält sie für äußerst unwahrscheinlich. Mit dem Club SXF, der im Umfeld des Flughafens Schönefeld gegründet wurde, „arbeiten wir gern zusammen“, sagt Frau Meichsner. Am Steuerknüppel der Miniflieger in rund 600 Meter Höhe sitzen etwa der Geschäftsführer der Condor Berlin, Karl Peterlini, sowie Andreas Kaden, Geschäftsführer bei Lufthansa Bombardier. Beim regulären Flugbetrieb kann es zu kleinen Verzögerungen kommen. In Tempelhof stehen heute zehn Starts und acht Landungen auf dem Tagesplan, in Schönefeld sind es morgen 26 Starts und 28 Landungen. „Es kann sein, dass eine große Maschine warten muss, bis ein Kleiner aufsetzt“, sagt Flugsicherungs-Sprecher Schanz.

Viele Piloten sind bereits Freitag in Schönhagen gelandet. Heute müssen die Rallyeteilnehmer zunächst auf dem Weg nach Strausberg sekundengenau nach Kompass, Stoppuhr und Karte fliegen. Auch hier bekommen sie Luftbilder mit – die Dächer oder Wälder müssen sie am Boden finden. Lenkt das nicht ab? „Nein“, sagt Wolf Glaeser, „das ist wie beim Autofahren, da gucken Sie auch raus und auf die Instrumente.“ Das Treiben in Tempelhof kann man vom alten Restaurant aus beobachten (11-19 Uhr). Von 14 bis 18 Uhr steigt am früheren Flugplatz Johannisthal, Johann-Hittorf-Straße, ein kleines Volksfest. Das Motto: „100 Jahre Motorflug“.

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