Berlin : Alle in die Halle

Wenn Kylie Minogue heute im Velodrom auftritt, dann haben die Fans ihren Spaß. Allerdings ist das Ganze ein ernstes Geschäft Denn die Konkurrenz zwischen den Veranstaltungsarenen ist groß. Wie viele verträgt die Stadt eigentlich?

Matthias Jekosch

Manche Gäste begrüßt man besonders gern. Kylie Minogue ist so einer. Gunther Thiele, Marketingchef der Gegenbauer Holding, die für das Land Berlin die Max-Schmeling-Halle und das Velodrom betreibt, freut sich auf die Sängerin, deren Konzert im Velodrom heute Abend nahezu ausverkauft ist. „Die Stars kommen gern nach Berlin. Wenn sie bei uns auftreten, ist es umso schöner“, sagt er.

Aber werden sie auch weiter im Velodrom spielen? Die Halle an der Landsberger Allee in Prenzlauer Berg ist mit 12 000 Plätzen die größte Veranstaltungshalle – bis jetzt. Denn die amerikanische Anschutz Entertainment Group (AEG) eröffnet im Herbst ihre 17 000 Zuschauer fassende O2-Arena am Ostbahnhof. Die Betreiber sind überzeugt davon, dass die Berlin auf solche eine Halle gewartet hat. „Elton John kann seine Las Vegas-Show nur nach Berlin bringen, weil wir die Größe dafür haben“, sagt AEG- Sprecher Moritz Hillebrand. „Das Ganze hat ganz andere Dimensionen“, sagt auch Holger Lunau, der Sprecher der Industrie- und Handelskammer. Bei der Konkurrenz kommt aber kein Neid auf. „Es gibt nur 10 bis 15 Künstler, die die O2-Arena füllen können“, sagt der Gegenbauer-Marketing-Chef. Für den Rest gebe es ja das Velodrom.

Nicht nur bei Konzerten macht die neue Halle Konkurrenz. Am Ostbahnhof sollen auch Sportveranstaltungen laufen. Das Eisbären-Eishockeyteam, das auch zur Anschutz-Gruppe gehört, erhält hier eine neue Heimat. Anschutz will außerdem den Deutschen Basketballmeister Alba Berlin aus der Max-Schmeling- Halle in die neue Arena holen.

„Wir sind froh, dass wir da so gut aufgestellt sind“, sagt Hanns Peter Nerger, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH, mit Hinblick auf den wachsenden Veranstaltungsmarkt. Das breit gefächerte Angebot in Berlin macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Alleine im Tagungs- und Kongressgeschäft, für das meist Hallen gebucht werden, sind laut Senatswirtschaftsverwaltung knapp 29 000 Menschen in Vollzeit beschäftigt. Wie wichtig das Veranstaltungsgeschäft für die Stadt ist, zeigen auch andere Zahlen. 298 registrierte Tagungsmöglichkeiten gab es 2007, die meisten von ihnen aber für etwa 100 Personen. 14 Prozent der Tagungsfläche entfallen auf die größten Hallen der Stadt. Sie setzten zusammen mehr als 1,4 Milliarden Euro um und brachten der Stadt knapp 4,5 Millionen Übernachtungen, elf Prozent mehr als 2006. Der Ruf Berlins hilft dabei. Hier passiert was, hier ist es aufregend. So versuchen auch die Tourismuswerber, die Hallen weltweit zu vermarkten. „Das sind absolut besondere Plätze“, sagt Nerger.

Die Arena Berlin macht zum Beispiel ihre Geschichte so besonders. Einst wurden in der riesigen, denkmalgeschützten Halle Omnibusse gewartet. Heute lassen es darin Farin Urlaub oder Lenny Kravitz krachen, oder es laufen Models über den Laufsteg. Die ehemalige Nutzung bringt der heutigen Veranstaltungshalle Vorteile. „Man kann ganz einfach mit einem Lastwagen reinfahren“, heißt es bei den Betreibern.

Das Internationale Congress Centrum (ICC) ist in anderer Hinsicht besonders. Es ist das zweiterfolgreichste Kongresszentrum der Welt. Etwa 550 Veranstaltungen gibt es im Jahr von Tagungen über Fernsehsendungen bis hin zu Konzerten. Das Kongressgeschäft macht etwa 90 Prozent aus. „Dieses Jahr wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein Rekordjahr“, sagt Wolfgang Rogall, Sprecher der Messe Berlin schon jetzt an. Bereits vor zwei Jahren war das ICC für 2008 so gut wie ausgebucht – und das trotz Diskussion um einen Abriss des Gebäudes.

Die Universal Hall in Moabit ist mit Platz für 1000 Personen vergleichsweise klein. Aber für viele Veranstaltungen genügt der Raum. „Es gibt eine Vereinbarung mit einem Konzertveranstalter“, sagt ein Sprecher. „Wenn sich zum Beispiel abzeichnet, dass die Treptower Arena nicht voll wird, dann kommt die Veranstaltung zu uns.“ Die Halle soll in Zukunft öfter für geschlossene Gesellschaften genutzt werden wie Abibälle. Mit dem Konzept haben die Betreiber gute Erfahrungen gemacht. „Es läuft so gut wie nie zuvor“, sagt der Sprecher.

Das sagt auch das Estrel Convention Centre von sich selbst. „Das Kongressgeschäft in Berlin zieht jährlich an“, freut sich Estrel-Sprecherin Mihaela Djuranovic. Für ihr Hotel heißt das: Acht mal in Folge setzte es unter allen Hotels Deutschlands am meisten um. 57,5 Millionen im vergangenen Jahr. Das Kongresszentrum direkt neben dem Hotel ist dafür hauptverantwortlich. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Djuranovic. Das Estrel bringt es auf 1800 Veranstaltungen im Jahr.

Die erfolgreichen Zeiten sind für die Deutschlandhalle vorbei. Sie hat sie alle gehabt – Jimi Hendrix, die Rolling Stones, Muhammad Ali trug in der Halle am Funkturm aus. „Die hat einfach ausgedient“, sagt Holger Lunau von der Industrie- und Handelskammer jetzt. So denkt auch der Berliner Senat und hat Ende Mai den Abriss der Halle sowie die Sanierung des ICC und den Bau einer neuen Eissporthalle beschlossen. Allerdings wehren sich die Bezirkspolitiker gegen einen sofortigen Abriss. Sie fürchten, dass der Eissport vorübergehend heimatlos wird. „Die Deutschlandhalle ein Verlust?“ Nein, für Michael Hofer von der Messe Berlin ist das keiner. „Die ist aus dem Marktgeschehen doch sowieso schon seit 1997 raus.“ Stars treten seitdem woanders auf.

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