Berlin : Alle wollen die goldene Lola

Die Kandidaten für den Deutschen Filmpreis stehen fest Bei der Kür gab es einige Überraschungen

Marc Neller

Kulturstaatsministerin Christina Weiss und Moderatorin Nina Petri nicken sich ein letztes Mal zu, bevor man im Hotel Adlon erfährt, wer denn nun für den Deutschen Filmpreis nominiert ist. Zu diesem Zeitpunkt sind zwei wirklich wichtige Auftritte bereits Geschichte.

Jungschauspieler Adrian Topol hat sich bei einem Spagatsprung auf dem roten Teppich einen Hosennahtriss zugezogen. Als er ihn bemerkt, gefriert sein Lächeln schubweise.

Die jungen Hotelfachangestellten haben die Glasstehtische mit Reiniger so aufpoliert, dass man sich darin spiegeln kann. Ein älterer Herr aus der Nähe Heidelbergs merkt das an. Keine fünf Minuten ist es her, dass er mit seinen beiden Enkeln samt deren Eltern über den roten Teppich in die Hotellobby schwebte und von den wartenden Fotografen mit Blitzlichtgewitter empfangen wurde. Da aber weder er, der freundliche Herr mit dem senffarbenen Sakko, noch seine Begleitungen bisher durch Auftritte in Filmen aufgefallen sind, wird man ihre Bilder dann doch nicht am kommenden Tag im Fernsehen oder in den Zeitungen finden.

Von den Kuriositäten zurück zur Kulturstaatsministerin und zu jenen, die auch noch die nächsten zwei Monate hoffen dürfen, die goldene Lola 2004 zu gewinnen. Sibel Kekilli und Birol Ünel vielleicht ein bisschen mehr als andere Kollegen: Die beiden sind die Hauptdarsteller in Fatih Akins „Gegen die Wand“, dem Siegerfilm der Berlinale. Gut möglich, so hört man Filmexperten raunen, dass Akins Film beim deutschen Pendant zum Oscar ähnlich abräumen wird wie im vergangenen Jahr Wolfgang Beckers „Good Bye, Lenin!“. Sibel Kekilli hört man dagegen nur raunen, dass sie jeden Kommentar zu den Siegchancen und den anderen Filmen im Wettbewerb ablehnt. Jedenfalls konnte ihr Regisseur heute sehr entspannt fernbleiben und Urlaub machen, was er derzeit tut. Interessant wird es für ihn, wenn am 18. Juni im Kreuzberger Tempodrom unter anderem die Preise für den besten Spielfilm, die besten Darsteller und die beste Regie vergeben werden.

Auch „Das Wunder von Bern“ hat die Nominierungsrunde schadlos überstanden, was gar nicht so wundersam ist. Sönke Wortmanns Film über die deutschen Fußball-Weltmeister von 1954 hat nach zähem Start eine ansehnliche Menge Deutscher in die Kinos gelockt. Da beide Filme in den meisten der acht Kategorien vertreten sind, also Favoriten auf den höchstdotierten deutschen Kulturpreis, fragt die Eigentlich-Schauspielerin und Heute-mal-Moderatorin Nina Petri „die Frau Doktor Weiss“: ob denn gute Filme immer Erfolg haben und ob erfolgreiche Filme immer gut seien. Die Antwort der Ministerin ist sehr salomonisch und scheint der Moderatorin zu lange zu dauern. Mit einem süffisanten „Ja“ fällt sie Frau Weiss ins Wort.

Außer der geplatzten Hose und einem Kurzzeitstar aus Baden-Württemberg überraschte die Hamburger Theaterschauspielerin Fritzi Haberlandt, und zwar die Jury mit ihren Leinwandfähigkeiten in „Liegen lernen“. Christian Ulmen alias „Herr Lehmann“ überraschte damit, dass er mit Sibel Kekilli ins Adlon kam.

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