Berlin : Alle zittern um die Minarette

Türkische Zeitungen über die zu hohe Moschee am Columbiadamm

Suzan Gülfirat

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Alle reden über die Moschee am Columbiadamm. Doch wie berichteten die türkischen Zeitungen über die Schließung des Gebetshauses?

„Kaum waren die Vermesser weg, rief der erste Journalist an“, sagt Moschee-Chef Recep Türkoglu. Zuallererst erschien die Nachricht von der Schließung seiner Moschee am Columbiadamm in Neukölln in der Berlin-Beilage der Hürriyet, die nach einer mehrwöchigen Sommerpause wieder jeden Mittwoch der Zeitung beigefügt wird. „Die Minarette sind zum Problem geworden“, hieß es in der Überschrift. Genau genommen war im Text noch nicht die Rede von der Schließung der Moschee. Es wurde lediglich gemeldet, dass der Bezirk die Verwaltung der Moschee schriftlich darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Minarette höher sind als ausgemacht. Erst in den Tagen darauf berichteten auch andere Zeitungen über das Thema.

„Rassismus, Rassismus“, schrie die Hürriyet nicht. Im Gegenteil. Die Zeitung brachte am vergangenen Donnerstag ein Interview mit der Baustadträtin von Neukölln, Stefanie Vogelsang (CDU). Deren Statement: „Sowohl eine Kirche als auch eine Moschee müssen sich an Bauvorschriften halten.“

Die Tageszeitung Türkiye reagierte auf diese Nachricht am Sonnabend mit 30 Zeilen Text und einem Foto. Diese Zeitung verfolgt den Bau von Moscheen in Deutschland sehr aufmerksam. „Die Sehitlik-Moschee wartet auf einen Experten“, hieß es. Jedes Mal, wenn irgendwo in diesem Lande solch ein Bauwerk wie am Columbiadamm fertig wird, erscheint in der Türkiye ein Jubelaufmacher, doch dieses Mal gab es keinen Anlass zur Freude. „Nachdem festgestellt wurde, dass die Minarette und die Kuppel der Sehitlik Moschee höher sind als erlaubt, wird sehnlichst auf die Begutachtung durch unabhängige Experten gewartet.“ Denn Moschee-Chef Recep Türkoglu setzt seine ganze Hoffnung auf die von ihm beauftragten unabhängigen Gutachter.

Zum Aufmacher wurde das Thema in keiner türkischen Zeitung. Die Titelseiten zeigten meist das Bild einer „Mutter voller Leben“ (Hürriyet). Die schwedische Außenministerin Anna Lindh liebten wohl nicht nur die Europäer. „Auch die Moslems in Schweden beten für ihre Seele“, berichtete die Hürriyet. Zudem habe der türkische Außenminister sich in Ankara in das Kondolenzbuch der Schwedischen Botschaft eingetragen.

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