Berlin : Allein in Moorlake

BVG stellt Romantik-Buslinie ein, Wirte fürchten Schlimmes

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„Wir sind bestürzt“, sagt Fritz Roeder, der Chef vom Wirtshaus Moorlake. Die BVG will Ende März ihre romantischste Strecke einstellen, die Buslinie 216. Sie führt im Einstundentakt vom Bahnhof Wannsee über Moorlake zur Pfaueninsel. Der BVG ist die Busverbindung zu unrentabel. Die Kirche Peter und Paul, das Wirtshaus Moorlake, das Blockhaus Nikolskoe sind damit von der BVG „abgehängt“, vor allem nicht motorisierte Ausflügler und Kirchgänger, aber auch etliche Mitarbeiter der Restaurants, müssen bald weite Fußwege bis zur Pfaueninsel oder Glienicker Brücke in Kauf nehmen. Denn künftig soll es nur eine Verbindung geben, die vom TheodorHeuss-Platz mit Stopp auch am Wannsee bis zur Pfaueninsel führt.

Noch hält der Eindecker der kleinen Linie 216 direkt vor dem Wirtshaus Moorlake an einer eigenen Halteschleife, und regelmäßig steigen hier Ausflügler aus, aber auch Besucher, die zu den bekannten Schauspielerlesungen ins Wirtshaus Moorlake kommen (gestern abend las Ralf Wolter). Viele Ausflügler nutzen auch die Station, um nach einem langen Spaziergang von der Pfaueninsel oder der Glienicker Brücke die Heimfahrt anzutreten. Spaziergänger Günter Albrecht aus Lichterfelde kann die Entscheidung der BVG nicht verstehen: „Das ist doch Schwachsinn. Ein so großes Unternehmen wie die BVG müsste sich diese Linie leisten können. Gespart wird immer am falschen Ende.“ Moorlake-Wirt Roeder und sein Sohn Matthias befürchten einen wirtschaftlichen Schaden, weil die neue Buslinie nur noch die Pfaueninsel ansteuert, 30 Minuten Fußweg entfernt. „Weshalb ist die Pfaueninsel ein wertvolleres Ausflugsziel als der Glienicker Park?“ Die BVG müsse auch Tatbestände berücksichtigen, die nicht allein an Geld zu messen sind. „Wir sind bereit, mit der BVG über eine tragbare Lösung zu sprechen.“ Der Verkehrsbetrieb hatte dem Wirt angeboten, sich an den Kosten der Buslinie zu beteiligen, was bei diesem allerdings auf wenig Gegenliebe stieß.

Die BVG begründet die geplante Einstellung der Buslinie mit zu geringen Fahrgastzahlen. In der neuesten Ausgabe ihrer Kundenzeitschrift verspricht sie für den Ausflugsverkehr „bessere Verbindungen ohne Umwege, ohne Schnörkel“. An die Schnörkel in Nikolskoe und Moorlake aber haben sich Tausende von Ausflüglern und die Anlieger gewöhnt. Uwe Schaepler auch. Er ist einer der Busfahrer auf der Linie 216, die auf verschlungenden Pfaden durch den Wald führt. An der Haltestelle Moorlake winkt er oft dem Wirt zu. Für die Anlieger ist der Bus eben eine „Lebensader“, auf die sie nicht verzichten wollen.C.v.L.

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