Berlin : Allende-Viertel: Straßenbahn ist unerwünscht

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Das Salvador-Allende-Viertel soll durch die Straßenbahn besser erschlossen werden. Die Senatsverkehrsverwaltung plant, die Strecke in das Gebiet nahe dem Müggelsee zu verlängern. Die 9000 Köpenicker sollen so die Möglichkeit erhalten, schneller, unfallsicherer und vor allem umweltfreundlicher befördert zu werden, betont Hans-Jochen-Müller von der Senatsverwaltung für Stadtenwicklung. Aber die meisten Anwohner halten das Projekt schlichtweg für überflüssig. "Wir sind zufrieden mit dem, was wir haben", bringt der Chef des Bürgervereins Allende-Viertel, Klaus Behrend, die Proteste auf den Punkt. Außerdem fürchten sich die Köpenicker vor zusätzlichem Lärm und Bodenerschütterungen.

Zurzeit gibt es dort drei Buslinien. Auch die Straßenbahn fährt schon, allerdings endet sie 200 Meter südlich des Krankenhauses Köpenick am Rande des Allende-Viertels. "Doch diese Linie ist unwirtschaftlich, weil einfach zu wenig Leute damit fahren", erklärt Müller. Die jetzige Endhaltestelle solle deshalb aufgegeben werden und die Bahn künftig bis zum Müggelschlösschenweg nahe dem Stadtwald rollen. Die Senatsverwaltung geht davon aus, dass dadurch erheblich mehr Fahrgäste gewonnen werden - und mehr Geld hereinkommt.

Wo genau die Gleise voraussichtlich im Jahre 2004 liegen werden, ist momentan noch unklar. Müller betont aber, dass es jetzt nicht mehr um Pro und Contra für die Straßenbahn gehe, sondern um die für alle Betroffenen günstigste Variante. Um diese herauszufinden, wurde jetzt ein Büro damit beauftragt, ein Gutachten über die fünf möglichen Streckenverläufe vorzulegen. "Sie sollen auf Lärm- und Umweltbelästigungen sowie Erschütterungen untersucht werden", sagt Müller. Er geht davon aus, dass Ende des Jahres die Ergebnisse vorliegen.

Bezirk und Senat bevorzugen eine Strecke: Sie verläuft über die Pablo-Neruda-Straße bis hin zum Müggelschlösschenweg. "Dadurch würden wir das größte Erschließungspotenzial erreichen, zudem könnte die Bahn nahezu geradlinig und kurvenarm ins Ziel fahren", begründet der Senatsmitarbeiter. Dann gebe es noch einen Vorteil. Die mit Kopfstein gepflasterte Pablo-Neruda-Straße erhielte mit der Straßenbahn einen Asphaltbelag. Andrea Leuck vom Stadtplanungsamt macht deutlich, dass das rund 25 Millionen Mark teure Projekt "mit geringstmöglicher Belastung für alle durchgesetzt werden sollte". "Wir warten aber erst einmal das Gutachten ab".

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