Berlin : Alles auf Empfang

Berlin putzt sich in dieser Woche für fünf Staatsgäste heraus. Als erster kam Palästinas Ministerpräsident

Marc Neller

DER ROTE TEPPICH WIRD WEITERGEROLLT: NACH DEN FILMSTARS KOMMEN DIE STAATSGÄSTE

Die Berlinale hat ihren roten Teppich gerade eingerollt, da rollt die Bundesrepublik ihren aus. Zuerst für Ahmed Kurei. Am Montagnachmittag traf der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde in der Hauptstadt ein. Im Verlauf dieser Woche werden vier weitere, europäische Spitzenpolitiker in Berlin erwartet – namentlich die Herren Vladimir Spidla (Tschechische Republik), Tony Blair (Großbritannien), Jacques Chirac (Frankreich) und Leonid Kutschma (Ukraine).

Viel Arbeit für den Bundeskanzler und für jene, die die Sicherheit des Kanzlers und seiner Gäste gewährleisten sollen: 150 bis 200 Sicherheitsleute von Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesgrenzschutz (BGS); dazu die persönlichen Bodyguards der Politiker.

In Sicherheitsfragen hält man sich im Bundespresseamt und im Auswärtigen Amt zwar gewohnheitsmäßig bedeckt. Auch gestern sind dort die zu derlei Anlässen üblichen Versicherungen zu hören: „Sie können davon ausgehen, dass alles getan wird, um die Staatsgäste optimal zu schützen.“ Allerdings lässt einer der Sprecher den scheinbar beiläufigen Zusatz fallen, dass die Schutzmaßnahmen im Fall Ahmed Kureis „noch etwas optimalerer“ ausfallen dürften.

„Keine Auskunft“, heißt es dazu aus den Reihen des BKA. Und die Berliner Polizei sieht den Staatsbesuchen in dieser Woche dem Vernehmen nach gelassen entgegen. „Eine abstrakte Gefahr besteht immer. Und natürlich überprüfen wir diese Gefahr auch ständig“, sagt eine Sprecherin. „Aber im Ausnahmezustand sind wir derzeit nicht.“ Es gebe momentan auch keine Hinweise auf eventuelle Terroranschläge. Eine außerordentliche Bedrohung erwarte man nach Lage der Dinge auch in den kommenden Tagen nicht.

Nach Angaben der Polizeisprecherin hat die Berliner Polizei keine außerordentlichen Einsatzeinheiten zum Schutz der Staatsgäste gebildet. Den größten Teil der Sicherheitsvorkehrungen treffen das BKA und der Bundesgrenzschutz. Verstärkung aus anderen Bundesländern sei daher nicht angefordert worden. „Für das, was wir übernehmen müssen, reichen unsere Beamten aus.“

Ahmed Kurei fuhr, von fünf Polizeimotorrädern begleitet, zum Bundespräsidenten. Der Weg vom Flughafen Tegel zu seinem Hotel und von dort zum Schloss Bellevue, wo Rau den Gast erwartete, war frei. Kein außergewöhnlicher Einsatz, heißt es bei der Polizei. Verkehrsbehinderungen habe es keine gegeben. Die erwartet die Polizei auch heute vormittag nicht, wenn die Eskorte Kurei zum Kanzleramt geleiten soll.

Zur Berlinale kamen zwar nicht alle Filmstars, die erwartet wurden. Und trotzdem scheint es, als sei die Stadt nach den zwei Wochen, die ihr renommiertes Filmfestival gedauert hat, Prominenten-müde. Die große Politik rollt ihre roten Teppiche aus – und kaum jemand scheint sich dafür zu interessieren. Am Montag nicht einmal die Studenten, die den Empfang bei Rau zum Anlass hätten nehmen können, um gegen Kürzungen im Bildungsetat zu demonstrieren.

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