Berlin : Alles auf Los am Leipziger Platz

Nach dem Eigentümerwechsel könnte auf dem früheren Wertheim-Areal schon bald gebaut werden

Ralf Schönball

Die letzte Baulücke am Leipziger Platz kann in kürzester Zeit geschlossen werden. Nach Angaben des Maklers, der das Grundstück im Rahmen eines Bieterverfahrens verkauft hatte, liegt zwar gegenwärtig noch kein rechtskräftiger Bebauungsplan vor. Bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hieß es aber auf Anfrage, die Behörde werde in „weniger als einem halben Jahr“ eine Baugenehmigung erteilen, sobald der neue Eigentümer seine Pläne für das frühere Wertheim-Areal vorlege.

Das Grundstück befindet sich in einer der besten Lagen im Herzen Berlins. Zu Nazi-Zeiten war das Areal den jüdischen Eigentümern enteignet worden. Nach der Wiedervereinigung wurden die Grundstücke zurückgegeben und von den Alteigentümern jüngst verkauft. Bei dem Erwerber handelt es sich dem Vernehmen nach um eine internationale Aktiengesellschaft, die für das Bauland ungefähr den Bodenrichtwert von 100 Millionen Euro bezahlt haben soll. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat dem Investor jede erdenkliche Hilfe bei der Entwicklung des Areals zugesagt.

„Der neue Eigentümer kann sich entweder in das bereits gemachte Nest setzen oder mit uns reden, damit wir individuelle Lösungen finden“, sagte Hilmar von Lojewski, Abteilungsleiter Städtebauliche Projekte bei der Bauverwaltung. Der Behörde lägen bereits fertige Pläne für die Gestaltung des Areals von einem Konsortium um die TLG-Immobilien vor. Die bundeseigene Firma verfügte über die Grundstücke bis zu deren Rückgabe.

Das Areal ist 22 000 Quadratmeter groß. Darauf können laut Makler Fabian Hüther, dessen Büro CB Richard Ellis das Grundstück im Rahmen einer Ausschreibung verkaufte, Büros, Läden und Wohnungen mit einer Gesamtfläche von rund 90 000 Quadratmetern gebaut werden. Sicher ist bereits heute, dass nicht ein einzelner Block entstehen wird, weil zwischen dem südlich des Grundstücks gelegenen Bundesratsgebäude sowie den nördlich des Quartiers gelegenen Ländervertretungen eine Sicht- und Verkehrsachse geschaffen werden soll.

Fest steht auch die Höhe der Neubauten: Diese dürfen nicht die bereits am Leipziger Platz errichteten Häuser überragen, weil sie alle zusammen nach dem Vorbild des im Krieg zerstörten Ensembles ein Achteck bilden sollen.

Im Rahmen dieser städtebaulichen Vorgaben kann der Investor dann aber eine Architektur seiner Wahl verwirklichen: „Wir machen keine gestalterischen Vorgaben“, sagt von Lojewski. Sogar eine Fassade aus Glas will er nicht ausschließen. Dabei galt es in der Stadt lange Zeit als ungeschriebenes Gesetz, dass in Planungsbehörden Gebäudehüllen aus Stein bevorzugt werden.

Bei der Bauverwaltung rechnet man ohnehin nicht damit, dass die Planungen wegen Gestaltungsfragen ins Stocken geraten. „Der Eigentümer wird erst dann grünes Licht für den Bau geben, wenn die Flächen vermietet oder verkauft werden können“, sagt von Lojewski.

Dafür stehen die Chancen Marktexperten zufolge gut: „Das ist eine sehr gute Bürolage“, sagt Sven Stricker, Berlin-Chef beim umsatzstarken Maklerbüro Atisreal. Die Mieten beziffert er mit 15 bis 21 Euro je Quadratmeter und Monat. Ein weiterer Vorteil am Leipziger Platz sei auch, dass es dort viele verschiedene Nutzungsmöglichkeiten gebe: Läden im Erd- und im ersten Obergeschoss, natürlich Büros, aber auch ein Hotel oder luxuriöse Seniorenwohnungen seien denkbar. Dass die Vermietung von Gebäuden zügig vorangehen kann, zeigt das Beispiel der Neubauten Leipziger Platz 1 und 2. Die Gebäude wurden erst vor kurzem fertiggestellt und sind Branchenexperten zufolge bereits zu mehr als 70 Prozent vermietet.

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