ALLES BERLIN : Letzte Klappe für die „Berliner Straße“

Die berühmte Kulisse im Filmpark Babelsberg muss Neubauten weichen. Studentenwohnungen, Büros und eine Kita sind geplant.

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Babelsberg - Der Filmpark Babelsberg läuft, jetzt soll die Medienstadt drumherum auf 8,5 Hektar ausgebaut werden: Ein Hotel als Entree zum Filmpark und ein Parkhaus sollen auf der Südseite an der Großbeerenstraße entstehen. Und im Norden zwischen Marlene-Dietrich-Allee und Stahnsdorfer Straße der Campus Babelsberg mit bis zu 400 Studentenwohnungen, Boarding-Häusern für Langzeitgäste, günstigen Büroräumen für junge Kreative, Gastronomie, Nahversorgungsangeboten und einer zweiten Medienstadt-Kita. Laut Filmparkchef Friedhelm Schatz gibt es schon einen gültigen Bebauungsplan, man suche aber noch nach Investoren. Für die Campus-Pläne muss die Außenkulisse „Berliner Straße“ des Studios Babelsberg weichen.

Das Unternehmen ist laut Sprecher Eike Wolf noch auf der Suche nach einem Ausweichstandort. Die Gespräche laufen bereits, an anderer Stelle ein modernes Außenset neuzuerrichten, das künftig auch Tricks ermöglicht, bei denen nachträglich beispielsweise Personen in eine Kulisse projeziert werden. Vor den Kulissen der „Berliner Straße“ wurden zahlreiche Erfolgsfilme gedreht. Erbaut wurden sie 1998 für den Film „Sonnenallee“, für den ein Ost-Berliner Straßenzug im Stil der 1970er Jahre benötigt wurde. Für die Filmadaption des Romans „Herr Lehmann“ stellten die Kulissen Kreuzberg gegen Ende der 1980er Jahre dar, für „Boxhagener Platz“ ein Stück Friedrichshain. Besonders häufig wurde die Kulisse für Filme benutzt, die während des Zweiten Weltkriegs spielen, darunter „Rosenstraße“ und Dani Levys „Mein Führer“. Für Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ simulierten die Kulissen das von den Deutschen besetzte Paris, für Roman Polanskis „Der Pianist“ gaben sie den Hintergrund des Warschauer Ghettos ab. All das wird nun bald Geschichte sein.

„Am Campus Babelsberg ist der Filmpark dezeit laut Schatz im Gespräch mit zwei Investoren. Es gehe um eine Investitionssumme von rund 50 Millionen Euro. Er sei zuversichtlich, dass man sich bis Jahresende einig wird und der Campus dann in zwei bis drei Jahren steht. Auf 2,5 Hektar sind dort unter anderem 300 bis 400 jeweils 21 Quadratmeter große Studentenwohnungen und bis zu 50 Appartments für Langzeitgäste in einem Boarding-Haus geplant.

Auf bis zu 3000 Quadratmetern Fläche plant Schatz Büroräume für Existenzgründer. Fehlende bezahlbare Büroräume in der Medienstadt wurden in der Vergangenheit immer wieder beklagt, junge Kreative weichen oft nach Berlin aus. Auch eine zweite Kita mit 100 Plätzen soll auf dem Campus entstehen. Die erste Medienstadt-Kita mit 120 Plätzen ist laut Schatz voll, die Wartelisten lang.

Am Eingang zum Filmpark an der Großbeerenstraße planen Schatz und sein Geschäftspartner Ekkehard Streletzki – Chef der Berliner Streletzki Gruppe, die unter anderem das Hotel Estrel aufgebaut hat und betreibt – ein Hotel mit Konferenzzentrum. „Wir glauben, dass sich die Landeshauptstadt beim Thema internationale Konferenzen noch deutlich besser am Markt positionieren kann.“ Als Konkurrenz für die anderen Potsdamer Hotels sieht Schatz die Pläne nicht: „Das wird ein Standorthotel, gezielt für die Film- und Medienbranche.“ Schatz rechnet mit bis zu 200 Betten für Filmparkgäste. Ob er das Hotel mit Streletzki bauen und betreiben wird, sei noch offen – wahrscheinlich sei aber zumindest für den Bau die Zusammenarbeit mit einem Investor.

Erste Ideenskizzen für den Hotelbau zeigen eine Architektur, die an Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ erinnern soll – zwei turmartige Gebäude flankieren dabei den Eingang zum Filmpark, hinter der Hotelfassade würde auch die 2008 eröffnete Metropolishalle verschwinden. Schatz schwebt ein „klassisches Themenhotel“ mit filmaffiner Einrichtung vor – „da gibt es dann zum Beispiel eine Miss-Piggy-Suite“. Anstelle des heutigen Parkplatzes sieht der Bebauungsplan ein Parkhaus vor – auch dieses soll gestalterisch und von der Nutzung her zum Filmpark passen: So sei etwa eine Eisbahn auf der Dachetage des Parkhauses denkbar.

Von einem anderen Teil des Geländes hat sich der Filmpark vor einem halben Jahr getrennt: Die Sandscholle, wo Eigentumswohnungen in sechs Häusern entstehen sollen, wurde an die niederländische Ten Brinke Gruppe verkauft. Ein Musterhaus steht dort seit einem guten Jahr.

Ein weiteres großes Bauprojekt treibt der Filmpark weiter nördlich voran – und zwar in der Westernstadt „El Dorado“ am Röddelinsee in der Uckermark, die ihm gleichfalls gehört. Dort sollen ein Hotel und bis zu 50 Ferienhäuser im Western-Stil neu entstehen. Man will sie privaten Interessenten zum Kauf anbieten.

Auch Szenen des Films „Russendisko“ wurden in der „Berliner Straße“ gedreht. Hier posieren Peri Baumeister (als Olga) und Matthias Schweighöfer (als Wladimir) im Frühjahr 2011 bei den Dreharbeiten. Bei Bedarf hatte die Kulissenstraße sogar eine Straßenbahn zu bieten. Auch das Fernsehen kam gern hierher, etwa die ARD im Jahr 2012 mit Anna Loos und Ehemann Jan Josef Liefers bei Dreharbeiten zu „Nacht über Berlin – Der Reichstagsbrand“. ac/Fotos: dpa

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