Berlin : Alles Bunte zum Geburtstag

Die 31. Lange Nacht der Museen steht diesmal ganz im Zeichen des 775. Stadtjubiläums. Auch die Historiale feiert mit.

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Foto: dapd

Ein Motto für die 31. Lange Nacht der Museen zu finden war kinderleicht. Zahlreiche teilnehmende Häuser reihten sich in die Schar der Gratulanten ein, die Berlin an diesem Sonnabend zum (nicht ganz runden, eher krummen) 775. Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung anno 1237 ihre Reverenz erweisen wollen. „Berlin hat Geburtstag, 110 Museen gratulieren“ heißt denn auch der Titel des 216 Seiten starken Programmbüchleins. Berlins Museumslandschaft ist ja so reich wie bunt und vielgestaltig, da war es recht einfach, Führungen oder musikalische und literarische Programme für die wissbegierigen nächtlichen Flaneure zusammenzustellen. Zumal es für alle Aktivitäten zwei Leitthemen gibt: die Stadt zu ihrer Gründungszeit im 13. Jahrhundert und das vielfarbige Berlin, wie es in acht Jahrhunderten durch stete Zuwanderungen größer, mächtiger und bedeutender geworden ist. Dies kann unter freiem Himmel auf dem Schlossplatz erlebt werden – auf dem größten, je in Berlin ausgelegten Stadtplan im Maßstab 1:775, auf dem man minutenschnell von Spandau nach Köpenick laufen kann und dabei viel Wissenswertes über Berlins Vielfalt erfährt. Geschichten zur Historie gibt es in acht Ausstellungstürmen zwischen Mühlendamm und Klosterkirche. 65 000 Fahrzeuge passieren heute diese Strecke täglich, damals waren es Ochsen-, Pferdegespanne und Reiter. Statt bellender Hunde trieben sich rund um Molkenmarkt (Berlin) und Fischmarkt (Cölln) grunzende Schweine herum.

Im Ephraim-Palais dürfte die vom Stadtmuseum mit viel Liebe zum Detail inszenierte Geschichtsschau „Berlin-Macher“ auf reges Interesse stoßen, zumal hier die Entwicklung der Stadt durch Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Technik und Kultur bis ins Heute beschrieben wird. Da kann man auch Hildegard Knef, Harald Juhnke, Tamara Danz und Ernst Busch begegnen und Kritiker Friedrich Luft noch einmal hören. Unter dickem Glas liegt das Pergament der Ersterwähnungsurkunde von Cölln an der Spree mit einem Vertrag vom 28. Oktober 1237. An diesem Dokument mit sieben Siegeln hängt die ganze Jubiläumsfeier, obwohl Berlin erwiesenermaßen älter ist als 775 Jahre.

Im Zeughauskino wird um 19 und 21 Uhr die Zeit vor 75 Jahren wach, da gibt es zwei Filme mit Klavierbegleitung, „Mit Straßenbahn und Autobus durch Berlin“ von 1937 und „700 Jahre Berlin“, die Jubiläumsfeier in der damaligen Reichshauptstadt. Bis Mitternacht kann man im Schloss Köpenick Porzellane für die Schlösser Friedrichs des Großen bewundern, im Schloss Charlottenburg bis zwei Uhr nachts Friedrichs Wohnungen anschauen. Noch um 0.30 Uhr erklingen in der Nikolaikirche Nachtgesänge des Mittelalters aus europäischen Klöstern mit dem Vokalensemble Vox Nostra.

Das Alltagsleben in einem mittelalterlichen Dorf, also Berlin oder Cölln, führt das Museumsdorf Düppel in der Ruine der Klosterkirche an der Klosterstraße in Mitte vor, und wer noch viel mehr Action aus dieser Zeit sehen, hören und erleben möchte, kann dies bis Sonntag bei der Historiale. Das Nikolaiviertel ist nicht mehr wiederzuerkennen: Rund um Berlins ältestes Gotteshaus gibt es über 50 Marktstände für dies und das, übrigens auch das ganz frische, gut gemachte Buch „Berlin im Mittelalter“ von Norbert F. W. Meier. 75 historisch (aus dem großen Kleiderschrank des Babelsberger Kostümfundus) gewandete Figuren spazieren durchs städtische Altenteil. Die Spandauer Stadtgarde exerziert, Leierkastenmänner und -frauen verbreiten den Sound von Berlin und es gibt sogar eine zum Jubiläum geprägte Silbermünze für zehn Euro. Historische Führungen, u.a. „Berlin im Wandel der politischen Systeme“, oder eine Spurensuche zur mittelalterlichen Archäologie runden das Programm ab, Historiale-Chef Wieland Giebel eröffnet das Programm an diesem Freitag,16 Uhr, dann geht es Schlag auf Schlag auf der Bühne vor der Nikolaikirche: Big Bands, Musik aus 775 Jahren Berlin mit dem DJ „Grammophon“, Hildegard Knefs Double lässt rote Rosen regnen und eine Zille-Revue fragt: „Wat braucht der Berliner zum Glücklichsein?“ Na, zum Beispiel solch ein Wochenende!

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