Berlin : Alles erzwungen

Werner van Bebber

wundert sich über Wowereits Prioritäten Eigentlich reden Politiker nicht gern über Partnerfragen. „Über Koalitionen reden wir nach der Wahl“, sagen sie. Wer diese oder jene Politik wolle, müsse XPD oder CDY wählen. Koalitionen sind das, was „der Wähler“, dieser kompromissbereite Weichling, erzwingt. Seltsam ist, dass Klaus Wowereit jetzt schon weiß, mit wem er ab Herbst 2006 regieren möchte: mit der PDS.

Dass es hier wie im Bund einen Lagerwahlkampf geben wird, ist klar. Doch anders als der Bundeskanzler hat Wowereit zwei linke Partner zur Wahl. Er könnte die Genossen von der PDS ein wenig nötigen und zu größeren Anstrengungen zwingen, indem er über die Grünen als mögliche Partner spricht. Stattdessen düpiert er die. Damit passiert den Grünen genau das, was sie ihrerseits vor ein paar Wochen mit CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer gemacht haben, als der laut über eine schwarz-grüne Koalition nachdachte. Man kann wohl annehmen, dass sie sich der CDU nicht näher fühlen, bloß weil Wowereit sie weggeschoben hat. Davon abgesehen, wird Wowereit nach der Wahl nicht interessieren, welche Prioritäten er zuvor aufgestellt hat. Er wird sehen, was der Wähler, der Weichling, erzwingt.

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