Berlin : Alles fährt

Brigitte Grunert über die Sprache der Politiker

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Alles ist in Bewegung. Ohne Bewegung gäbe es kein Leben. Zuweilen herrscht in der Politik hektischer Stillstand. Ist das in der Regierung der Fall, macht ihr die Opposition Beine. Doch am liebsten fahren sie alle miteinander durch die Politik.

Im Zusammenhang mit dem Familienkrach der Spandauer Liberalen sagte der FDPKreisvorsitzende Wolfgang Mleczkowksi, er habe seinen Anteil an einer Firma bereits vor Jahren auf ein Prozent „heruntergefahren“.

„Der Kündigungsschutz ist eine Einstellungshürde. Die Firmen fahren lieber Überstunden als jemanden einzustellen“, erklärte der CDU-Abgeordnete Peter Kurth, früher Finanzsenator.

„Uns liegen die Ziele der PDS fern. Aber diese Partei fährt bei Wahlen Ergebnisse ein, die zeigen, dass es ein Bedürfnis für ihre Positionen gibt“, sagte CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer.

Politiker und Bürokraten fahren immerfort etwas ein wie der Bauer die Getreide-Ernte. Sie fahren Pläne herauf und herunter wie mit einem Lastenfahrstuhl. Der Finanzsenator fährt einen Haushaltskurs. Die Ausgaben werden heutzutage heruntergefahren, denn man muss einen Sparkurs fahren. Trotzdem wächst der Schuldenberg. Ach was, so nennen das die Haushaltsexperten nicht. Sie bedauern vielmehr, dass die Verschuldung heraufgefahren wird. Alle wollen die Arbeitslosigkeit herunterfahren. Da das jedoch leider nicht gelingt, müssen die Sozialkosten heruntergefahren werden, wenngleich bei Hartz IV jetzt ein Korrekturkurs gefahren wird. Lange her, dass man einen Kurs gesteuert und Ausgaben gesenkt oder erhöht hat. Die Opposition findet prinzipiell, dass der Senat den falschen Kurs fährt, mithin alles gegen die Wand fährt.

Man kann sie nicht mehr hören, solche abgedroschenen Vokabeln. Die sollten ihren Sprachschatz erweitern, damit man ihnen besser zuhören kann.

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