Berlin : Alles für die Katz? Nicht mit Dog Stop

Neue Ideen gegen Hundekot auf der Straße: Ein Kreuzberger Kiez setzt auf Tütchen-Automaten, die Behörden auf höhere Bußgelder

Christoph Stollowsky

Kot-Boy, Pet-Clean, Dog-Butler - es war alles für die Katz’: Findige Leute haben sich schon allerlei Automaten ausgedacht, damit Berlins Hundehalter die Häufchen ihrer Lieblinge bequem entsorgen können. Einfach gratis ein Tütchen ziehen – und weg mit der Wurst zum Müll. Doch freiwillig wurde kein Tütchenspender so recht genutzt, die meisten sind längst abgeschafft. Außer im Kreuzberger Graefekiez. Dort hängt ein „Dog Stop“-Automat, weil der Verein „Nachbarschaftshaus Urbanstraße“ die Zeit für einen neuen Versuch gekommen sah – schließlich geraten Hundefreunde immer stärker unter Druck. Und „Dog Stop“ macht Hoffnung: Tütchen werden eifrig gezogen, weshalb das Pflaster ein wenig sauberer ist.

Die Politiker in Berlin wollen sich allerdings auf das Prinzip Freiwilligkeit nicht verlassen und setzen beim Kampf gegen die ungeliebten Hinterlassenschaften eher auf drakonische Geldbußen und schärfere Kontrollen. So kündigte der SPD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Michael Müller, am vergangenen Wochenende Bußgelder von 150 Euro an – für jedes übelriechende Geschäft. Vorbild ist das Häufchen-Wunder vom East-River: New York kassiert seit zwanzig Jahren im gleichen Falle 100 Dollar – seither sind die Straßen sauber geworden.

Damit die Übeltäter am oberen Ende der Leine auch erwischt werden, soll sie eine neue „wirksame Ordnungstruppe“ von April 2004 an besser überwachen. Dabei setzt Müller auf die geplanten bezirklichen Ordnungsämter, denn Senat und Parlament wollen Berlins Bezirken mehr ordnungspolitische Befugnisse geben – besonders in den Bereichen Umweltschutz und Sauberkeit. Bisher schickten die Bezirke zwar auch schon Umweltstreifen durch Parks und Straßen, aber diesen fehlte die Kompetenz: Sie durften keine Bußgelder verhängen, sondern nur ermahnen, weshalb sie niemand ernst nahm. Und die Polizei erklärte, sie habe wichtigeres zu tun, als gegen Tretminen vorzugehen. Folge: Im Jahr 2002 gab es in Berlin nur 27 Bußgeldbescheide gegen Häufchensünder.

Die künftigen bezirklichen Aufpasser sollen nun wie Politessen auch Knöllchen verteilen. Rekrutieren will sie die SPD aus dem Stellenpool für überzählige Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, denen nicht gekündigt werden darf – weshalb man für sie neue Arbeit finden muss. Keineswegs müsse aber nun eine qualifizierte Kraft auf Hundepopos gucken“, heißt es. „Die Leute werden ihrem Können entsprechend vermittelt.“

Ob die neue Häufchen-Truppe Wirkung zeigt? Im Kreuzberger Graefekiez sind Anwohner skeptisch. „Die können doch nicht hinter jedem Busch hocken“, sagt Wilhelm Brode und zerrt seinen Dackel an der Ecke Grimm-, Dieffenbachstraße vom Pflaster, als der sich gerade erleichtern will. Dann zieht er ein Tütchen aus dem „Dog-Stop“-Automaten am Laternenmast. Es ist einer von vier in der Gegend und für Brode eine „komfortable Sache“. Bestellt hat sie der Nachbarschaftsverein beim Berliner Versand „Derma Search“, für dessen Geschäftsführer Roman Teschner die Hauptstadt „ein weißer Fleck“ bei den Tütenautomaten ist.

„Halle und andere Städte haben je 100 Stück bestellt“, sagt er. Sie seien zufrieden damit. Doch in Berlin gibt es bisher gerademal zehn – geordert von Bürgerinitiativen oder Wohnungsgesellschaften. Teschner: „Sogar auf jedem Fährschiff finden Sie mehr.“

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