Berlin : Alles im Fluss

Nach dem Erfolg des Badeschiffs will Arena-Chef Falk Walter nebenan einen Yachthafen in die Spree bauen. Ein Betonsteg, den die DDR als Grenzanlage errichtete, soll zur Anlegestelle mit Bars und Cafés werden

Matthias Oloew

Mit der Yacht oder dem Boot an einem Steg mitten in der Spree und mitten in der Stadt ankern, der einst eine Grenzanlage war – das wird möglich, wenn die neuen Pläne an der Arena in Treptow Wirklichkeit werden. Aus einem rund 400 Meter langen Betonsteg in der Spree soll eine Marina werden. Und nicht nur das: An den beiden Enden, mit dem Blick auf die Oberbaumbrücke einerseits, und dem Blick auf der Skulptur „Molecule Man“ andererseits, sollen zwei kleine Bars, Lounges oder Cafés entstehen. „Wir wollen damit die Spree für die Berliner erlebbar machen“, sagt Falk Walter.

Den Steg hat die DDR einst als Grenzsperre errichtet. So wollte sie verhindern, dass Flüchtlinge von Ost- nach West-Berlin schwimmen. Das wäre an dieser Stelle nämlich ein Leichtes gewesen: der Osthafen gehört zu Friedrichshain und damit zum Osten, die Lohmühleninsel zu Kreuzberg und damit zum Westen der Stadt. Zwischen den Pfeilern des Betonstegs hatten die Grenztruppen ein enges Netz von Drähten gespannt – was tauchen unmöglich machte. Von einem Beobachtungsturm, der im Wasser stand, hatten die Soldaten alles im Blick.

Noch sind die Pläne von Arena-Chef Falk Walter und dem Architekten Gil Wilk nicht bis ins Detail ausgearbeitet. Aber das Projekt steht, die Baugenehmigung beim zuständigen Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ist beantragt und die Chancen stehen gut. Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) ist geradezu begeistert: „Ein toller Plan.“

Nicht so angetan ist Schulz bislang von einer anderen Idee. Das neue Badeschiff vor der Arena, das im Sommer Tausende anlockte, soll im Winter durch eine Sauna ergänzt werden. Die Pläne des Duos Walter und Wilk sehen so aus: Sowohl die Sauna als auch die halbrunden Dächer, die für das Schiff und die Badestege vorgesehen sind, werden aus mobilen Einzelteilen errichtet. Sie können problemlos auf- und wieder abgebaut werden. Doch Stadtrat Schulz lehnt alles ab. Als „Plastikwurst“ bezeichnet er die Dachkonstruktion, die das Ufer verschandele. „Damit wird der freie Blick an der Spree blockiert.“ Die Brücken sind aber noch nicht abgebrochen. Schulz signalisiert Gesprächsbereitschaft, will sich die Dachelemente, die bereits fix und fertig in einer Lagerhalle der Arena liegen, demnächst anschauen und seine Meinung eventuell überdenken.

Sauna und Marina sollen das Freizeit-Angebot rund um die Arena erweitern. Hier liegt schon das Schiff „Hoppetosse“, das nachts zum Club wird und tagsüber als Restaurant und Café dient. Im Sommer ist das im vergangenen Jahr eröffnete Badeschiff ein Besuchermagnet. Und die Restaurant-Kneipe „Freischwimmer“, sowie der „Club der Visionäre“ am Flutgraben ergänzen das Programm, das die Arena und das benachbarte Glashaus in Sachen Theater und Konzert bieten.

Die Marina wird 80 Liegeplätze für Boote haben. Ankern darf, wer Mitglied im Yachtclub ist. Auf dem Betonsteg sind zwei Ebenen geplant: Oben ist offen für alle, um oberhalb der Spree zu spazieren oder in die beiden Bars und Cafés zu gelangen. Unten ist reserviert für Club-Mitglieder. Von hier geht es zu den Booten.

Betonsteg und Ufer sollen mit einem Neubau verbunden werden, den Architekt Wilk „Spreebalkon“ nennt. Zu dem Namen kommt er, weil das Bauwerk nicht wesentlich höher sein soll als das Ufer. Es versperrt also nicht den Blick auf den Fluss. Über den Balkon gelangen Fußgänger auf den Betonsteg. Dort angekommen, werden sie sehen können, dass der Spreebalkon noch mehr bietet. Unterhalb der Uferkante und damit direkt oberhalb des Wasserspiegels, ist eine Lounge geplant, die vor allem für Mitglieder des Yachtclubs gedacht ist. „Wir rechnen mit Kosten von rund vier Millionen Euro“, sagt Walter. Die ersten Boote können voraussichtlich 2006 hier anlegen.

Der 40-jährige Falk Walter ist Geschäftsführer der Arena, die im Sommer zehn Jahre alt wird. Im Februar will er den Kaufvertrag für das Metropol-Theater an der Friedrichstraße unterschreiben. Er will den denkmalgeschützten Bau sanieren und als Vergnügungstempel mit Theater und Café wiederbeleben.

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