Berlin : Alles im Fluss

Die Märchentage erzählen diesmal Geschichten aus den Donauländern

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Wieder nahen die dunklen, kalten Tage, an denen sich viele an ferne Orte wünschen. Wer nicht gleich verreisen möchte, der sollte zu den 17. Berliner Märchentagen gehen. Vom 2. bis zum 19. November können sich die Besucher in exotische Welten entführen lassen. „Wir wollen das Erzählen wieder zurückbringen“, kündigt Silke Fischer an, Geschäftsführerin von Märchenland e.V., dem Ausrichter der Tage.

Freude am Erzählen hat Nina Korn bereits seit 50 Jahren. Wenn sich jemand mit Märchen auskennt, dann sie. „Märchen kann man wie einen Edelstein zum Funkeln bringen“, sagt die 68-jährige mit strahlenden Augen. Für ihre Arbeit hat sie erst im September den Ring der Erzähler in Münster verliehen bekommen. Den Berliner Märchentagen ist sie schon seit 1990 verbunden und wenn sie erzählt, frei und ganz von der Stimmung des Augenblicks gefangen, dann hat sie tatsächlich die Kraft, den Zuhörer mit auf eine Reise in eine andere Welt zu nehmen. „Man muss die Substanz des Märchens spüren“, sagt sie. Dieses Gefühl wollen auch die Märchentage vermitteln.

Zu den Orten, wo dies zu erleben ist, gehört das Dunkelrestaurant Nocti Vagus. Hier können die Gäste, nur auf ihren Hörsinn gestützt, dem blinden Erzähler Christian Spremberg lauschen. Er berichtet von Mythen der Donauländer, die in diesem Jahr im Mittelpunkt der Märchentage stehen. Der Fluss hat auch deren Geschichten transportiert. „Das ist das Tolle an Märchen: Sie sind frei und kommen meist von einem anderen Ort. Auf dem Weg aber haben sie sich verändert“, schwärmt Nina Korn. Typische Elemente sind die Zahl drei, Tierfiguren oder vertauschte Bräute. Meist ist der Jüngste der Held der Geschichte. Doch immer gibt es nationale Unterschiede. „Die ungarischen Märchen sind gewitzter als die deutschen“, gibt Silke Fischer als Beispiel. Auch zwischen den Altersgruppen gibt es Unterschiede. Bunt und immer mit einem Hoffnungsschimmer geht es in den Märchen für Kinder zu. Zu einem internationalen Symposium zum Thema Unsterblichkeit sollten allerdings nur Erwachsene gehen: Es endet mit einem blutroten Dinner und einem „Blutbad“.

Unter den über 800 Veranstaltungen an 270 Orten ist für Jung und Alt etwas dabei. Und es solle keiner denken, dass Märchen Kinderkram seien. „Dieses Denken kam erst Ende des 19. Jahrhunderts auf. Die Gebrüder Grimm haben das nie gewollt“, erzählt Nina Korn. mj

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