Berlin : Alles Kleine aus den Augen verloren

Größer, höher, weiter: Es war die „ILA der Rekorde“ – und auch die Kindersammelstelle hatte viel zu tun

Christian van Lessen

Um 12.58 Uhr ist eine Luftlandetruppe der Bundesluftwaffe im Anflug. Hubschrauber schweben über dem Flugplatz, aus fast schwarzem Himmel nähert sich ein düsteres Transportflugzeug. Zehntausende Augenpaare gucken fasziniert nach oben. Und wieder einmal kommt eine Durchsage der Kindersammelstelle. Diesmal ist ein kleiner Kevin abzuholen.

„Schauen Sie bitte rechts und links nach unten, ob Sie Ihr Kind noch an den Händen halten“, mahnt die Durchsage. Etliche ILA-Zuschauer sind so fasziniert vom Geschehen über ihren Köpfen, dass sie ihre Begleitung zu ihren Füßen vergessen. Mehr als 50 000 große und kleine Schaulustige werden gestern am letzten Tag der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung gezählt. Mit insgesamt 250 000 Gästen ist sie, wie Messesprecher Wolfgang Rogall schon Stunden vor Ende der ILA ausgerechnet hat, eine „ILA der Rekorde“. Im Vergleich zu 2004 sind 25 Prozent mehr Gäste gekommen. Die Ausstellungsfläche ist größer, und so viel wie 340 präsentierte „Fluggeräte“ hat es bislang auch nicht gegeben. Auch die Zahl der Fachbesucher ist gestiegen, die Messe ist nach Auskunft der Veranstalter internationaler geworden, und Projektdirektor Stefan Grave spricht von einer wichtigen europäischen „Marketingplattform für die Branche“. Star ist das weltgrößte Passagierflugzeug, der Airbus A 380, der sich aber am Sonntagmittag fast unbemerkt aus dem Staube macht. Der Riese rollt leise zur Startbahn, während zwei amerikanische Jagdflieger aus dem Zweiten Weltkrieg über dem Gelände ihre Kurven drehen und alle Augen auf sich ziehen. Die Durchsage beschreibt die Flugbewegungen und teilt mit, dass die Japaner damals ehrfurchtsvoll von „flüsterndem Tod“ gesprochen hätten.

Es sieht manchmal schon ein wenig gewagt aus, was da über den Köpfen herumfliegt. Aber Wolfgang Rogall beruhigt, dass die ILA mit ihren Sicherheitsvorkehrungen einen weltweiten Standard gesetzt hätte. Die Flugbahnen seien so berechnet, dass Mindesthöhen eingehalten werden müssten und kein Flieger auch bei Totalausfall aller Systeme das Publikum gefährden könne. Mitunter werden gar Flugzeuge in der Luft bewundert, die gar nicht zur Ausstellung gehören, sondern zum regulären Flugbetrieb des Flughafens Schönefeld. So außerordentlich zufrieden die Aussteller nach Umfragen sind, so sind es offenbar auch die Privatbesucher. Gut 93 Prozent haben die ILA als gut oder sehr gut empfunden. Ein Blick auf die Autokennzeichen auf den Parkplätzen bestätigt ein weiteres Umfrageergebnis: 42 Prozent der Besucher stammen aus den alten, 21 Prozent aus den neuen Bundesländern, „nur“ fast jeder Dritte aus Berlin. Und: Die ILA ist mit einem Anteil von 80 Prozent unter den Besuchern fast reine Männersache.

Gerüchte, die ILA werde Schönefeld den Rücken kehren, sind fürs Erste ausgeräumt. Der nächste Termin steht schon fest: vom 27. Mai bis 1. Juni 2008.

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