Berlin : Alles läuft auf einen Neubau hinaus

Kleiner und billiger: Knapp 63 Millionen Euro soll der Ersatz fürs ICC kosten – das erhalten bleiben könnte

Matthias Oloew

Sogar einen Namen hat das geplante neue Kongresszentrum schon: DCC – „Deutschlandhalle Convention Center“ schlagen die Planer des Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner (gmp) und die Messe Berlin vor. So konkret will Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) nicht werden: „Es sind nicht mehr als Überlegungen, das Kongresszentrum als Reminiszenz an die Deutschlandhalle so zu nennen.“ Überhaupt klingt der Senator bei der Vorstellung des Gutachtens über die Zukunft des Internationalen Congress Centrums (ICC) so, als sei alles offen. Tatsächlich läuft es auf einen Neubau hinaus. Am Dienstag beschloss der Senat, dass Wolfs Verwaltung nochmal alles durchrechnen soll. Zum Jahresende will der Senat dann über das ICC entscheiden.

Die Ergebnisse des Gutachtens, das gmp im Auftrag der Messegesellschaft für den Senat erstellt hat, sprechen für sich. 146,5 Millionen Euro würde es demnach kosten, die gut 25 Jahre alte technische Ausstattung des ICC zu modernisieren. Wollte man das Haus darüber hinaus sanieren und umbauen, damit es wirtschaftlicher zu betreiben wäre, würde das 219 Millionen Euro kosten. Der von gmp vorgeschlagene Neubau an der Stelle der Deutschlandhalle würde nur 62,8 Millionen Euro kosten.

Verblüffend preiswert, wenn man vergleicht, dass der Bau des ICC damals umgerechnet knapp 500 Millionen Euro gekostet hat. Harald Wolf glaubt, dass der Neubau zu diesem Preis zu haben ist, „wenn man nicht der alten West-Berliner Tradition verfällt, die Baukosten grundsätzlich herunterzurechnen und einen funktionalen Bau ohne kostspielige Extras errichtet.“ Der niedrige Preis erkläre sich aber auch, weil das Kongresszentrum viel kleiner sein werde als das ICC.

Zum Vergleich: Das ICC hat eine Bruttogeschossfläche (also die Gesamtfläche im Haus) von 152000 Quadratmetern, aber nur 10,6 Prozent davon sind wirtschaftlich nutzbar. Der Rest sind Foyers, Gänge und Garderoben. Das neue Zentrum soll nur 25000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche haben, aber 50 Prozent soll wirtschaftlich nutzbar sein. Damit es die gleichen Zuschauer- und Gästezahlen wie das ICC fassen kann, sei es denkbar, dass es mit bereits bestehenden Messehallen kombiniert werden kann.

Die Grünen warnen vor der Kostenkalkulation von gmp und nennen das Beispiel Tempodrom. Vor Baubeginn habe das Büro gesagt, dass die Kulturhalle für 18 Millionen Euro zu haben sei. Nachdem die Architekten den Auftrag erhalten hatten, kostete der Bau dann deutlich mehr. Sie fordern, der Senat solle das Gutachten offen legen. Auch CDU und FDP misstrauen der Rechnung und wollen das Gutachten prüfen. Wolf rechnet stattdessen vor, dass der Neubau neun Millionen Euro pro Jahr weniger Betriebskosten verschlingen würde als das ICC – da amortisiere sich die Investition schnell.

Ob das ICC abgerissen wird, will der Senat nach Angaben von Wolf davon abhängig machen, ob sich ein Nutzer findet, der den Bau übernimmt. Es dürfe aber keine Konkurrenz zum neuen Kongresszentrum entstehen. Das Schicksal der Deutschlandhalle scheint besiegelt: „Den Denkmalschutz aufzuheben, ist machbar“, so Wolf. Wirtschaftlich sei die Halle nicht zu betreiben, weil das Land mit den Betreibern der Max-Schmeling-Halle und des Velodroms Verträge geschlossen habe, „die einem Wettbewerbsverbot gleichkommen.“

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