Berlin : Alles muss raus – vom Gulasch bis zum Wasserhahn

Zum Torschluss der Grünen Woche warfen die Aussteller ihre Waren als Sonderangebote unters Publikum. Und Zehntausende griffen tütenweise zu

Theresa Bäuerlein

1,5 Kilo Wurst für 10 Euro aus der Mecklenburg-Abteilung, „Schlemmerpakete“ aus der Bio-Halle: Manche Besucher konnten am letzten Tag der Grünen Woche ihre schwere Fracht kaum mehr zum Ausgang schleppen. In den letzten Stunden der Messe begann am Sonntag der große Ansturm auf die Super-Billig-Angebote. Viele Händler hatten ihre Preise extrem herabgesetzt, schließlich wollte keiner seine ausgestellten Waren wieder mit nach Hause schleppen. Kurz vor Toresschluss waren die Stände schon gut leergeräumt, das große Abbauen der Aussteller konnte beginnen.

„In ein paar Stunden herrscht hier Chaos“, sagt Erich Eggert und deutet mit einer weitausholenden Geste auf die Stände in der Gartenbedarfs-Halle um ihn herum. Der 60-jährige Berliner weiß aus Erfahrung, dass alles anders wird, sobald der letzte Besucher die riesigen Messehallen verlassen hat: Seit 25 Jahren baut er alljährlich seinen Stand hier auf. „Am Ende fangen alle gleichzeitig mit dem Abbauen an, das geht dann drunter und drüber“, sagt er. Insgesamt zieht Eggert nach neun Tagen Messe eine recht gemischte Bilanz: „Die Leute haben diesmal weniger gekauft“, sagt er.

Was liegen blieb, wollen nun alle noch schnell unter die Leute bringen. Zum Beispiel die sperrige Ware: Am letzten Tag können Selbstabholer in der Küchentechnik-Halle günstig Einbauschränke und Armaturen abräumen.

Auch Gabriele Nowitzki, die am Australien-Stand Krokodil-Gulasch und Kängurustücke in großen Pfannen wendet, setzt auf Sonderangebote. „Kamel und Bison sind schon restlos ausverkauft“, berichtet sie. Um auch das restliche Frischfleisch loszuwerden, hat sie die Preise am letzten Messetag kräftig reduziert. Verderbliche Lebensmittel, die die Besucher nicht mehr kaufen oder aufessen wollen, wandern trotzdem nicht in den Müll: Sie gehen als Spenden an die „Berliner Tafel“ für Obdachlose. Das hilft, die Abfallberge am Ende der Messe zu verkleinern. Noch sieht es allerdings so aus, als würden die Besucher nicht viel Essen übrig lassen: Die Hallen, in denen es wenig zu probieren, dafür mehr zu sehen gibt, sind in den letzten Messestunden schlecht besucht. Die Massen schieben sich an den Ständen vorbei, die nach Chinapfanne, Pizza und Bratwurst duften.

Doch ganz gleich, wie viele Besucher kommen – bis zum offiziellen Schluss der Messe müssen alle Stände genauso stehen bleiben, wie sie aufgebaut wurden. Erst um 18 Uhr gehen die Tore für Lastwagen und Helfer auf.

Einige müssen noch länger warten: „Hier werden erst einmal die Tiere verladen, dann dürfen alle anderen raus“, sagt Siegfried Zelfel, der im Erlebnisbauernhof in Halle 3.2, über 15 träge Milchkühe wacht. Nebenan, in der Tierhalle, hat Bruno Helling vom Berliner Imkerverband dem Feiheitsdrang seiner Tiere vorausschauend einen Riegel vorgeschoben: Das Loch, durch das die etwa 4000 Bienen bisher in ihr sechseckiges Glasgehege mit Rasen und Stiefmütterchen fliegen durften, hat er verschlossen. An seinem Stand wird das Abbauen daher schnell gehen.

Überhaupt wird schon zwei Stunden nach Messeschluss von dem bunten Treiben der letzten Tage nicht mehr viel zu sehen sein. „Es ist unglaublich, wie schnell das Abbauen geht“, sagt Messe-Sprecher Wolfgang Rogall.“ Nur bei aufwändigen Konstruktionen wie der Blumenhalle dauert es wesentlich länger. „Sie war erst nach sechs Wochen Arbeit fertig, nun braucht es mindestens zwei Wochen, bis das alles wieder weg ist“, so Rogall.

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