Berlin : Alles neu am Friedrichswerder und am Spittelmarkt

Am Außenministerium sollen Wohn- und Geschäftshäuser entstehen Im alten Stadtzentrum wird ein historischer Platz wieder belebt

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Der Spittelmarkt, der zurzeit nur zum Vorbeifahren, aber nicht zum Verweilen einlädt, soll umgestaltet werden. Am nördlichen Rand des alten Stadtplatzes will ein privater Investor für 36 Millionen Euro ein achtgeschossiges Geschäfts und Bürohaus mit Natursteinfassade bauen. Das Gebäude erfüllt auch den Zweck, eine neu gestaltete Parkanlage auf dem Friedrichswerder vom Verkehrslärm der Gertrauden- und Leipziger Straße abzuschirmen. Der Spindlerbrunnen, der an der Leipziger Straße steht, soll in die neue Parkanlage umziehen.

Durch Kriegszerstörung, Abrisse und einen fragwürdigen Städtebau zu DDR-Zeiten war der alte Spittelmarkt, früher ein zentraler Ort Berlins, bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden. Die historischen Stadtstrukturen sind nicht mehr erkennbar und die überdimensionierten Straßen trennen – wie eine Barriere – zusammengehörige Stadträume. Nun soll der Spittelmarkt seine frühere Funktion als „Gelenkpunkt“ zwischen Potsdamer Platz und Alexanderplatz wiederbekommen. Der Senat stimmte gestern dem Bebauungsplan zu. Das Parlament muss noch zustimmen. za

Am Werderschen Markt, bisher eine Brache inmitten der Stadt, sollen ab 2005 fünfgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser entstehen. „Wir wollen eine belebte, bewohnte Innenstadt“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge- Reyer (SPD). Der Senat hat gestern den Bebauungsplan beschlossen, dem das Abgeordnetenhaus noch zustimmen muss. Die Bürgerbeteiligung ist abgeschlossen.

In Berlins historischem Zentrum werden 48 Stadthäuser gebaut. In kleineren Blöcken, deren Lage sich am alten Stadtgrundriss orientiert und die durch Parkanlagen aufgelockert werden. In die Erdgeschosse der Stadthäuser sollen Läden einziehen. Freiberufler können dort ihre Büros einrichten. Und gleich eine Wohnung beziehen. Alle Parzellen, zwischen 120 und 250 Quadratmeter groß, waren binnen einer Woche verkauft. Die komfortablen „Reihenhäuser“ in der City haben ihren Preis. Allein die Grundstückskosten liegen zwischen 750 und 1000 Euro pro Quadratmeter. Die Eigentümer müssen sich verpflichten, ihre Immobilien in den nächsten zehn Jahren nicht weiterzuverkaufen.

Zwischen Werder- und Jägerstraße, Kleiner Jägerstraße und Alter Leipziger Straße werden insgesamt fünf Blöcke entstehen. Davon zwei als Grünflächen. Gebaut werden „Haustypen mit unterschiedlichem Charakter“, zum Teil sogar mit Vorgärten. Die marokkanische Botschaft wird in das neue Stadtviertel einbezogen. 2007 soll das neue Stadtquartier fertig sein. Der Friedrichswerder – zwischen Auswärtigem Amt und Hausvogteiplatz – gehört zum Entwicklungsbereich „Hauptstadt Berlin – Parlaments- und Regierungsviertel“. Der jetzt beschlossene Bebauungsplan geht auf den städtebaulichen Ideenwettbewerb „Spreeinsel“ von 1993 zurück.

Geplant wird für eine traditionsreiche Stadtregion: 1670 wurde Friedrichswerder neben Berlin und Cölln vom Großen Kurfürsten zur eigenständigen Residenzstadt erhoben und mit der entsprechenden Bebauung versehen. Erst mit der Zeit entwickelte sich die „höfische Stadt“ zu einer „Herrschafts- und Bürgerstadt“. Nach dem Zweiten Weltkrieg war von all der Pracht nicht mehr viel übrig. za

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