Berlin : Alles neu macht der Designmai Musical mit drei Akkorden

„Gabba Gabba Hey!“ ist ein gewagtes Experiment im Columbiaclub: Musiktheater zu Punk-Songs der Ramones. Tommy Ramone mischte auch mit

Sebastian Handke

Berlin wird schick – dank dem Designmai. So heißt das Festival, das heute Abend eröffnet wird. Bis zum 16. Mai gibt es zahlreiche Veranstaltungen, bei denen sich nicht nur die Berliner, sondern auch die internationale Designszene vorstellt. So gibt es Ausstellungen, Diskussionen, aber auch Happenings und Partys an ungewöhnlichen Orten. Zudem öffnen Designer ihre Büros. Nach dem offiziellen Start um 20 Uhr in den Edisonhöfen in der Schlegelstraße 26 in Mitte steigt ab 23 Uhr in der Kunstfabrik Am Flutgraben an der Grenze von Kreuzberg zu Treptow eine Party. Insgesamt gibt es mehr als 100 Veranstaltungen, die sich um die Frage „Schöne Neue Welten?“ drehen. Unter diesem Gesichtspunkt soll untersucht werden, wie das heutige Leben immer mehr von Design bestimmt wird – sei es in Werbung, privatem Umfeld, Genforschung, Schönheitschirurgie oder die Erschließung neuer Lebensräume.

Zu den zentralen Veranstaltungen des Designmais zählt die Ausstellung „Jung + Deutsch“. Auf ihr stellt sich eine neue Generation deutscher Designer vor, die internationale Trends setzt. Gezeigt werden in den Edisonhöfen Entwürfe aus Mode, Grafik, Möbel- und Produktdesign. ling

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www.designmai.de

Es gibt kaum zwei Musikrichtungen, die sich weniger zu sagen haben als Punkrock und Musical. Nicht so im Columbiaclub. Dort wächst zusammen, was nicht zusammen gehört: nächsten Dienstag hat „Gabba Gabba Hey!“ Premiere, eine Punkmusical zur Musik der Ramones.

Tommy Ramone, einzig noch lebendes Mitglied der Band, die den Punkrock erfand, kam gestern nach Berlin, um die Produktion musikalisch zu leiten. „Ich bin ziemlich alt“ sagte er. „Als ich jung war, Ende der 50er, mochte ich Musicals. Doch alles, was danach kam, ist ziemlich beschissen. Unser Stück ist auch Theater mit Musik, doch mit diesem Andrew-Lloyd-Webber-Kram hat es nichts zu tun. Die Songs fügen sich in die Geschichte ein, es sind biographische Songs von Leuten, die eine schwere Zeit hatten.“ An ihrer Schule in Queens waren die Ramones Ausgestoßene – allein schon, weil sie Iggy Pop mochten. Es blieb keine Wahl, als eine Band zu gründen: Dee Dee, das Drogen-Kind, Johnny, der strenge Band-Zuchtmeister, und Joey, der einsame Freak am Mikrophon, dazwischen Tommy, der einzig Normale. Kein Wunder, dass dabei sehr unterschiedliche Songs entstehen. Sie begleiten nun eine klassische „Boy-meets-Girl“-Geschichte, dargebracht vor Super-8-Projektionen von Urlaubsfilmen von Jörg Buttgereit.

Dass ein Splatterfilm-Regisseur dieses Musical inszeniert, gefällt Tommy Ramone: „Die Jungs mochten solche Filme, einige ihrer Songs sind davon inspiriert. Jörg hat bisher noch nie ein Musical auf die Bühne gebracht – so wie wir damals keine Instrumente spielen konnten.“

Im Grunde hätte man auch die Geschichte der Ramones selbst aufführen können: eine dunkle Geschichte von vergeblicher Suche nach Anerkennung und jenem hässlichen Liebesdreieck um Joey, Johnny und Linda, weswegen Gitarrist und Sänger 15 Jahre nicht miteinander redeten. „Vielleicht wäre das der Stoff für ein dunkles Punkepos gewesen“ sagt Tommy Ramone. „Aber wer will schon Joey und Johnny davon singen hören, wie sehr sie sich hassen?“ Stattdessen also eine Kurzgeschichte über Teenager-Angst in New York, in der Sätze fallen wie „Gratuliere, New York, Du hast mich ganz schön gefickt“ oder „Mein Leben ist eine jämmerliche Vorabendserie, die man nicht abschalten kann“.

Dougie fällt in jedes Loch, das sich anbietet: Die Gitarre zerstört, von der Freundin verlassen, vom Stiefvater geschlagen, geht es stetig abwärts bis zum Straßenstrich an „53rd & 3rd Street“, wie es in einem Ramones-Klassiker heißt. 18 Ramones-Songs gibt es in diesem 70-Minüter, der halb Konzert, halb Theater ist. Nach der Uraufführung in Australien wagt man sich jetzt nach Berlin – ein nicht ungefährliches Pflaster in Sachen Punk-Musical-Crossover. Ein wenig nervös ist Tommy Ramone daher schon. „Australien war ein guter Ort, um etwas auszuprobieren. Jetzt gehen wir in die großen Punkmetropolen wie Berlin, ich hoffe sehr, dass auch die Punkkids kommen und das Stück lieben werden.“

10. bis 22. Mai, Columbiaclub, Columbiadamm 9-11, Eintritt 15 Euro.

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