Berlin : „Alles nur Show“

Lesben- und Schwulenverband kritisiert Treffen gegen Homophobie im Roten Rathaus

Der Anblick der beiden Frauen war den Schlägern in Kaulsdorf Grund genug. Brutal schlugen sie in der Nacht zu Dienstag auf das lesbische Paar ein, beschimpften die Frauen und besprühten sie mit Farbe: Auch dieser jüngste Fall homosexuellenfeindlicher Gewalt war bei einem Runden Tisch Thema im Roten Rathaus. Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Homophobie“ tagten am Dienstagabend der Landesbeirat für Migration und Integration, Migrantengruppen und Homosexuellenvereine. Doch das Ergebnis wird höchst unterschiedlich bewertet: Während der Integrationsbeauftragte Günter Piening eine positive Bilanz zog, kritisierten Vertreter des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD) die Konferenz. Es sei eine „reine Show-Veranstaltung“ gewesen, sagte Sprecher Alexander Zinn.

Er bemängelt unter anderem, dass die Verabschiedung einer Resolution abgelehnt worden sei. Der LSVD hatte darin gefordert, Homophobie zu verurteilen sowie Achtung und Respekt gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen zu zeigen. Der Integrationsbeauftragte Günter Piening wies die Kritik zurück. Die Teilnehmer hätten sachlich, intensiv und engagiert diskutiert. Dass auch er die Resolution nicht unterstütze, habe damit zu tun, „dass man sich im Vorfeld geeinigt hatte, dass dies kein Gremium für Resolutionen ist“, sagte Piening. Beachtenswert sei jedoch, dass die muslimischen Vereine erstmals öffentlich zu dem Thema Stellung bezogen hätten und „jegliche Form der Verfolgung oder gar Gewaltanwendung gegen Homosexuelle verurteilten“. Der Sprecher des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg, Safter Çinar, sagte: „Der LSVD ist dabei, sich lächerlich zu machen.“ Er solle endlich damit aufhören, allen vorschreiben zu wollen, wie Homophobie zu bekämpfen sei.

Der Runde Tisch war deshalb initiiert worden, weil im August ein schwulenfeindlicher Hetzartikel in dem deutsch- arabischen Magazin „Al-Salam“ bekannt geworden war. Zudem hatte eine Studie ergeben, dass ein großer Teil türkischer und arabischer Jugendlicher schwulenfeindlich eingestellt sei. Laut dem schwulen Überfalltelefon „Maneo“ hat es im vorigen Jahr 300 Übergriffe auf Homosexuelle gegeben. Die Dunkelziffer sei viel höher. Die Polizei weist homophobe Übergriffe nicht gesondert in der Statistik aus, da dies diskriminierend für die Opfer sei. Der LSVD hingegen setzt sich dafür ein, dass die Polizei künftig eine „homosexuellenfeindliche Motivation“ des Täters als Merkmal in der Statistik einführt. tabu

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