Berlin : Alles so schön leer hier

Brasilianer dreht einen Film in Berlins Ödnis.

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Brasiliens Star. Schauspieler Wagner Moura auf der Berlinale 2011. Foto: dpa
Brasiliens Star. Schauspieler Wagner Moura auf der Berlinale 2011. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlins Angebot an Traumstränden ist begrenzt, ja praktisch nicht vorhanden. Müggel-, Wannsee? Von Palmen keine Spur. Praia do Futuro dagegen, einer der Strände der Stadt Fortaleza im Nordosten Brasiliens! Ohne Korallenriffs und Felsen eine endlose Verlockung, leider durch Strömungen nicht ganz ungefährlich. Gut, dass es Rettungsschwimmer gibt.

Tausende Kilometer liegen zwischen Fortalezas „Strand der Zukunft“ und dem weitgehend strandlosen Berlin, eine nicht nur geografische Distanz, die der brasilianische Filmregisseur Karim Ainouz mit seinem neuen Film „Praia do Futuro“ überwinden will. Am Montag haben die Dreharbeiten in Berlin begonnen, nach etwa einem Monat geht es weiter nach Sankt Peter-Ording in Schleswig- Holstein und danach Richtung Fortaleza.

Eine Dreiecksgeschichte: Donato (Wagner Moura), Rettungsschwimmer am Praia do Futuro, bewahrt den Berliner Touristen Konrad (Clemens Schick) vor dem Ertrinken. Sie verlieben sich ineinander, und Donato folgt Konrad nach Berlin, lässt sein bisheriges Leben zurück, auch den jüngeren Bruder Ayrton (Jesuíta Barbosa). Erst als dieser volljährig wird, kann er Donato, seinem großen Vorbild, folgen und ihn in Berlin suchen.

Für Regisseur Ainouz, der 1966 in Fortaleza geboren wurde, ist „Praia do Futuro“ eine Art Rückkehr nach Berlin. 2004 war er Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (daad), arbeitete hier an einem Fototagebuch und an dem Drehbuch „Cidade Baixa“, das später von seinem Landsmann Sergio Machado verfilmt wurde. Ainouz’ Eindrücke müssen sehr intensiv gewesen sein: „Berlins leere Flächen, sein spezieller Charme und sein raues Wesen brachten mich dazu, den Film hier spielen lassen zu wollen“ – so skizziert der Regisseur die Rolle der Stadt. Es sei „ein Film, der die Geschichte einer Stadt erzählt und über ihre Fähigkeiten der Wiedergeburt, der Vereinigung, einer vorstellbaren Zukunft, eines wieder vereinten Ortes.“

Auch sein Hauptdarsteller Wagner Moura, in Brasilien ein Star, kennt Berlin. Er war Hauptdarsteller in „Tropa de Elite“, der bei der Berlinale 2008 den Goldenen Bären gewann, wie auch in der Fortsetzung, die 2011 im Panorama lief. Beide Male war Moura auch in Berlin. Und es gibt einen dritten Bezug zur Stadt: Der Film mündet in eine Szene am Nordseestrand: Ebbe, die drei Hauptpersonen und dazu als Soundtrack „Heroes“ von David Bowie. Stück und Album entstanden 1977 in West-Berlin. Andreas Conrad

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