Berlin : Alles so schön Zumba

Der neue Fitnesstrend aus den USA verbindet HipHop, Aerobic und Latintanz In Mariendorf schwitzen Frauen schon – und genießen das Gemeinschaftsgefühl

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Hoch das Bein. Kathrin Kraffert (l.) gibt beim Training alles. Foto: David von Becker
Hoch das Bein. Kathrin Kraffert (l.) gibt beim Training alles. Foto: David von Becker

Kathrin Kraffert ist aus der Puste, aber sie lächelt. Im Takt der Musik stampft sie mit dem Fuß vor und zurück, schwingt ihre Hüfte und bewegt dabei ihre Arme wellenartig vor ihrem Oberkörper hin und her. „Zumba awe" tönt es aus der Musikanlage im Trainingsraum der Tanzschule Heidemann. Trainerin Manuela Brychzy heizt die Gruppe mit ihrer durchdringenden Stimme an, bewegt sich vor der langen Spiegelwand schneller und schneller. Doch Kraffert hält das Tempo. Nur ein paar Schweißtropfen laufen ihr die Stirn herunter. An eine Pause ist nicht zu denken. Die 32-Jährige will sich auspowern – mit Zumba, einem neuen tänzerischen Bewegungssport.

Rund zehn Jahre ist es her, dass der kolumbianische Choreograf Alberto Perez diesen Bewegungssport beiläufig entwickelte. Während einer seiner Tanzstunden ließ er sich von lateinamerikanischen Klängen inspirieren und baute die unterschiedlichsten Tanzstile in seine schweißtreibenden Bewegungen mit ein.

Zumba verbindet Elemente aus Aerobic und HipHop sowie verschiedene Tanzschritte aus Samba, Salsa, Flamenco, Calypso und Merengue mit ohrwurmträchtiger Musik. Die neue Sportwelle schwappte vor einigen Jahren aus den USA nach Europa herüber, zunächst nach Spanien über Portugal und jetzt weiter nach Deutschland. „Ein Vorreiter des Zumba war hierzulande das sogenannte Latin-Aerobic“, sagt Tanzschulenbesitzer Dirk Heidemann.

Der Choreograf und deutsche Vizemeister im sogenannten A–Latin war unter anderem Bühnencoach der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ und bereitet jetzt die ARD-Sendung „Hochzeitsschiff“ mit vor. Zumba-Kurse biete er in seiner Tanzschule an der Mariendorfer Großbeerenstraße seit Oktober an. Mit 30 Teilnehmern sei der Kurs bereits sehr gut besucht. Woran das liegt? „Weil Zumba Tanzen und Fitness vereint. Gleichzeitig werden alle Muskeln des Körpers gestärkt und die Koordination verbessert“, sagt Heidemann.

Sich bewegen, schwitzen und überflüssige Pfunde mit jeder Menge Spaß einfach wegtanzen: Anleitungen für die Trendsportart werden mittlerweile in verschiedenen Tanz- und Fitnessstudios in Berlin angeboten. Die Abfolge der Schritte und Übungen ist leicht erlernbar und lässt sich sogar daheim vor dem Fernseher ausführen. Wer also lieber zu Hause trainiert, kann die Tanzschritte anhand von DVDs und Videos oder in Büchern nachvollziehen. Die Kleidung für das Workout sollte bequem sein und Bewegungsfreiheit zulassen: Baggypants, ein Top oder T-Shirt sind empfehlenswert. Feste Turnschuhe sind wichtig, um das Verletzungsrisiko gering zu halten.

Kraffert tanzt lieber in der Gruppe. „Ich mag das Gemeinschaftsgefühl beim Auspowern“, sagt die 32-Jährige. Bisher habe sie den Videoclip-Tanzkurs in der Schule besucht und Squash gespielt. Zumba sei eine tolle Freizeitbeschäftigung, um in der Gruppe „abzurocken. Außerdem ist das einfach was anderes als klassische Aerobic im Fitnessstudio.“

Gemeinsam mit ihren zwei Freundinnen besucht die Schmuckdesignerin den Kurs von Brychzy heute das dritte Mal. Vor der ersten Stunde hätte sie keine Ahnung gehabt, was sie erwarte. „Aber danach hatte ich ein dermaßen gutes Körpergefühl, dass ich nächstes Jahr voll in diesen Kurs wechseln werde“, sagt die 32-Jährige. Was den Reiz ausmache? „Die Mischung aus Aerobic und Tanz und die Tatsache, dass man gleich mitmachen kann, ohne vorher viele Choreografieabläufe gelernt haben zu müssen.“

Nach der Aufwärmphase des 60-minütigen Trainings ist die Gruppe inzwischen beim Haupttraining angekommen. Kraffert hat sichtlich Spaß. Gemeinsam mit ihren sieben Mitstreiterinnen versucht sie ihren Oberkörper lasziv nach vorne und hinten zu schütteln. „Die Musik reißt einen total mit und nebenbei kann man noch ordentlich was für die Ausdauer tun“, sagt Kraffert. Langsam aber sicher gerät die Schmuckdesignerin wirklich außer Puste, ihr Gesicht ist errötet. Um sich zu halten, hat sie ihre Hände beim Pausieren in die Hüfte gestemmt.

Nach dem „Cooldown“ am Trainingsende, um die beanspruchten Muskeln zu entspannen, freut sich die Sportbegeisterte auf den Muskelkater danach. „Gleichzeitig fühlt man sich total fit, weil man etwas gemacht hat.“ Jetzt könne sie es immer kaum erwarten, verschwitzt, aber gut gelaunt nach Hause zu kommen. „Da gönne ich mir ein warmes Bad und kann danach wunderbar schlafen.“

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