Berlin : Alles unter Kontrolle?

Überfall in Münchener U-Bahn schockiert die BVG Sie setzt auf Videotechnik und durchgängige Züge

Der U-Bahn-Überfall von zwei schwerkriminellen jungen Männern auf einen Rentner in München hat die BVG „total schockiert“. Besorgte Fahrgäste sollten allerdings auch wissen, dass sie sich in der U-Bahn sicher fühlen könnten. Die Bahn sei das sicherste Verkehrsmittel in Berlin, statistisch gesehen. Nach Angaben der Sprecherin Heike Müller hat die BVG über die Leitzentrale ständig alle rund 170 Bahnhöfe des U-Bahnnetzes im Auge, außerdem werde ein Großteil der Züge durch Videokameras überwacht. So ein Vorfall wie in München könne leider in jeder Stadt passieren, und das sei kein Problem allein in Bussen und Bahnen.

Der 76-jährige Rentner hatte in einem Münchener U-Bahnzug die zwei jungen Männer gebeten, das Rauchen einzustellen. Daraufhin war er von dem 17-jährigen Griechen und dem 20-jährigen Türken als „Scheißdeutscher“ beschimpft und bespuckt, anschließend beim Aussteigen angegriffen, zu Boden geworfen und getreten worden. Die Kameraaufzeichnung der Bahnstation hatte schnell auf die Spur der Täter geführt, die wegen Gewaltdelikten sowie wegen Diebstahls und Drogenhandel vorbestraft sind.

BVG-Sprecherin Müller sprach von einem „gesellschaftlichen Problem“. Normalerweise dürfte es kein Risiko sein, jemanden wegen des Rauchverbots anzusprechen, aber jede müsse bei aller begrüßenswerten Zivilcourage selbst entscheiden, ob das bei den entsprechenden Leuten zum Erfolg führe. „Niemand muss den Helden spielen“, die Polizei ließe sich per Handy schnell erreichen. Die Sprecherin wies in diesem Zusammenhang auf die ständige Überwachung aller U-Bahnhöfe hin. Auf den Linien 2, 6 und 8 (sie waren Pilotprojekte) wird das Geschehen auf den Bahnsteigen rund um die Uhr aufgezeichnet, bei den anderen Stationen nur, wenn der Leitstelle etwas Außergewöhnliches auffällt. Aber „in absehbarer Zeit“ werde auch hier 24 Stunden aufgezeichnet, hieß es.

Beim BVG-Notruf wird grundsätzlich aufgezeichnet. Videokameras sind außerdem in allen durchgängigen Zügen installiert sowie in einem Großteil des übrigen Zugbestandes, aufgezeichnet wird auch hier 24 Stunden. Die durchgängigen Züge verstärken nach Ansicht der BVG das Sicherheitgefühl der Fahrgäste, das Geschehen im Zug sei überschaubar.

Die Münchener U-Bahn-Tat hat eine Debatte über die Höhe von Jugendstrafen ausgelöst, der bayerische Innenminister Joachim Herrmann forderte die Anhebung der Höchststrafe für derartige Gewaltverbrechen. Ob die seit langem aktenkundigen jungen Männer auch in Berlin auf freiem Fuß gewesen wären, vermochte die Justizverwaltung gestern nicht zu sagen. Man kenne die Hintergründe nicht, es ginge um Einzelfälle, an denen gerichtliche Entscheidungen hingen. Darüber in Berlin zu urteilen, wolle man sich „nicht anmaßen“.C. v. L.

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