Berlin : Alles voller Angst

Werner van Bebber

sieht der PDS beim Regieren und Demonstrieren zu Wäre Stefan Liebich nicht ein so schlanker und gerade gewachsener junger Politiker – man könnte bei dem PDS-Landes- und Fraktionsvorsitzenden an das olle Rumpelstilzchen denken. Wie der kleine Mann ums Feuer herumtanzte und dabei „Heute back’ ich, morgen brau’ ich und übermorgen hol’ ich der Königin ihr Kind“ vor sich hin sang, so mag Liebich reimen: „Heute regier’ ich, morgen demonstrier’ ich...“ Vermutlich treiben ihn heute Abend „die Ängste der Menschen“ vor den Folgen der Sozialreformen zum Roten Rathaus, in dessen Senatssitzungssaal er sonst an der Landespolitik mitwirkt. Das Rumpelstilzchen hat sich am Ende seiner märchenhaften Erlebnisse entzweigerissen – der PDS steht das offenbar nicht bevor. Ihre Anhänger finden es prima, dass die Partei mitregiert und mitdemonstriert, Hauptsache, „Angst“ und Frust machen sich breit. Was Stefan Liebich wohl machen würde, wenn ein paar kanzlertreue Sozialdemokraten eine Demonstration „für die konsequente Verwirklichung von Hartz IV – Fordern und Fördern“ anmeldeten: PDS-Senator Harald Wolf hinschicken, der damit befasst ist? Oder Heidi Knake-Werner mit ihrem Herz für alle Benachteiligten? Und was soll man denken, wenn der PDS-Landeschef „die Ängste der Menschen“ ernst nimmt und vielleicht demonstrieren geht – die mit den Reformen befassten PDS-Senatoren aber nicht demonstrieren? Ignorieren die „die Ängste der Menschen“? Ist der PDS-Landesvorsitzende falsch informiert und überängstlich? Hat er zu wenig Angst vor der SPD? Oder haben die Sozialdemokraten Angst vor ihm, weil er übermorgen ihre Wähler holt?

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