Berlin : Alles, was glänzt

Im Souterrain des Alten Museums soll eine Schatzkammer für Gold und Edelsteine eingerichtet werden

Helmut Caspar

Berlin soll eine eigene Schatzkammer bekommen. Und zwar tief unter der Erde, dort, wo jetzt die Besucher des Alten Museums am Berliner Lustgarten zur Büste der Königin Nofretete oder zum Betenden Knaben pilgern. Noch wird der Saal unter der Rotunde, dem kreisrunden Eingangsraum zum Alten Museum mit den antiken Götterfiguren, als Depot genutzt. Doch in dem Gewölbe aus der Schinkelzeit im Sockelgeschoss wollen die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz eine Schatzkammer einrichten.

Dort sollen die schönsten Gold- und Silberschmiedearbeiten sowie eine Auswahl aus dem rund 16 000 Stück umfassenden Bestand der geschnittenen Steine gezeigt werden, sagt die stellvertretende Direktorin der Antikensammlung, Gertrud Platz. Die Besucher sollen später einmal vorbeiwandeln an Exponaten aus Gold, Silber und Edelsteinen, an kostbar dekorierten Gefäßen und Tafelgeschirren sowie exquisitem Grabschmuck. Mit der Schatzkammer, die auch die herausragenden künstlerischen und technischen Fertigkeiten der alten Völker demonstrieren soll, bekäme die Museumsinsel eine weitere Besucherattraktion. Bisher kann die Antikensammlung nur eine Auswahl der in Halbedelsteine vertieft oder erhaben geschnittenen Gemmen und Kameen im Hauptgeschoss sowie sporadisch in Sonderausstellungen zeigen.

Dabei gehöre die Berliner Gemmensammlung, vergleichbar mit den Beständen in Paris, Wien, London und Sankt Petersburg, zu den ältesten Abteilungen der kurfürstlichen und königlichen Kunstkammer, sagt die Archäologin. Friedrich II., der Große, war es, der 1764 die berühmte Gemmensammlung des Barons Philipp von Stosch kaufte, die durch ihre Publikation durch den Begründer der klassischen Altertumskunde, Johann Joachim Winckelmann, quasi geadelt wurde. Mit dieser Kollektion, die später durch neue Ankäufe ergänzt wurde, gelangte das Berliner Gemmenkabinett in die europäische Königsklasse.

Dass die Einrichtung der Schatzkammer zwar noch in der Ferne liegt, aber dennoch keine bloße Träumerei ist, zeigt ein Blick in die Pläne für die Sanierung und den Umbau des Alten Museums. Mit der Neugestaltung kann begonnen werden, wenn die jetzt im Schinkelbau am Lustgarten gezeigten ägyptischen Altertümer ins Neue Museum umziehen. Das wird nicht vor 2009 geschehen. Doch für die Museumsexpertin ist diese Zeitspanne dennoch nicht sehr lang. Schon jetzt wählt Gertrud Platz gedanklich aus, was sie unter der Rotunde in die Vitrinen legt. Mit der Nutzung des derzeit noch mit Büros besetzten und als Werkstätten verwendeten Souterrains für Ausstellungszwecke würden die Staatlichen Museen an eine alte Tradition anknüpfen. Denn schon 1830 zogen an eben diesen Räumen Vasen, Bronzen, geschnittene Steine, Münzen und andere Preziosen aus der königlichen Kunstkammer Blicke auf sich.

Wie die Schatzkammer aussehen wird, kann man schon jetzt im Museum für Kommunikation an der Leipziger Straße erahnen – dort wird unter anderem die legendäre Blaue Mauritius gezeigt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar