Berlin : Alles wieder nach vorne

Pro & Contra: Soll die BVG den Mitteleinstieg im Bus wieder abschaffen und alle Fahrgäste vom Fahrer kontrollieren lassen?

Klaus Kurpjuweit

Die BVG zieht die Notbremse. Das Unternehmen, das sparen muss, will jetzt auch in den Bussen den Schwarzfahrern an den Kragen. Deshalb sollen Fahrgäste beim Einsteigen den Fahrern wieder den Fahrschein zeigen oder einen bei ihm kaufen; die mittlere und hintere Tür sind dann nur noch für den Ausstieg zugelassen. Zunächst will die BVG nach Angaben ihres Chefs Andreas Graf von Arnim den Vorne-Einstieg auf einigen Linien testen. Einzelheiten stünden noch nicht fest.

Zu testen gibt es dabei gar nicht viel. Der Einstieg beim Fahrer – mit der Kontrolle des Fahrscheins – war bis Ende Mai 1994 üblich. Nach einer langen Diskussion hatte die BVG den Einstieg an allen Türen freigegeben. Die neue Freizügigkeit führte aber auch dazu, dass viele Fahrgäste ohne Ticket in den Bus stiegen. Die BVG hatte zwar angekündigt, die Kontrollen zu verstärken, doch schnell hatte sich herumgesprochen, dass die „Kontrollettis“ im Bus nur ganz selten auftauchen. Bei so genannten Schwerpunktkontrollen waren manchmal fast ein Fünftel der Kontrollierten ohne Fahrschein.

Von Anfang an hatte sich der Personalrat gegen die Freigabe des Einstiegs ausgesprochen. Busfahrer erhielten fürs Kontrollieren nämlich auch einen Zuschlag. Begründet hatten die Gegner des freien Einstiegs ihre Haltung aber vor allem mit der Zahl der Schwarzfahrer. Seit 1999 gingen der BVG nach Angaben des Personalrats rund 10 Millionen Euro durch nicht zahlende Fahrgäste in den Bussen durch die Lappen. Mit dem kontrollierten Einstieg vorne beim Fahrer kommt der BVG-Vorstand nun dem Personalrat entgegen, mit dem er derzeit auf Kriegsfuß steht.

Ob das Ziel erreicht wird, die Zahl der Schwarzfahrer tatsächlich zu senken, bezweifelt Michael Cramer von den Grünen. „Den meisten Fahrern kann man doch auch eine Scheckkarte unter die Nase halten und sie lassen den Fahrgast durch“, sagt Cramer.

Allerdings kommen sich die Fahrgäste beim freien Einstieg häufig in die Quere. Auch dies führt dann oft zu einem „Stau“. Deshalb hatte die BVG einen ersten Versuch mit freigegebenen Türen 1988 schnell wieder abgebrochen. Auch 1994 blieben zunächst die Doppeldecker ausgenommen; bis es Fahrzeuge mit drei Türen gab. Schlaue Fahrgäste - mit Fahrschein - sind bisher meist ohnehin beim Fahrer eingestiegen. In seiner Nähe ist es nämlich am wahrscheinlichsten, einen Sitzplatz ergattern zu können.

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