Berlin : Alles wird teurer: Busse, Bahnen, Öl und Gas - Die Preise steigen

Hans Toeppen

Nicht nur das Bus- und Bahnfahren wird teurer. Die gesamten Lebenshaltungskosten steigen immer weiter. Nach der gewaltigen Erhöhung der Ölpreise seit dem vorigen Jahr hat gestern auch die Gasag in Berlin den Gaspreis um zehn Prozent erhöht: Mit Wirkung von heute an. Wenn es erst richtig kalt wird, werden alle Berliner zu spüren bekommen, was die Organisation erdölexportierender Länder für ihr Leben bedeutet - nicht nur hohe Benzinpreise, sondern vor allem teure Heizung. Im deutschen Preisindex hat sich das längst niedergeschlagen. Im Vergleich zum vorigen Jahr lag die sommerliche Teuerungsrate in Berlin bei 1,5 Prozent. Das geht vor allem auf die Treibstoff- und Heizölpreise und den Verkehr zurück. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Die Gasag begründete ihre Preiserhöhung gestern mit dem Ölpreisniveau. Tatsächlich hängt das Gas über eine sogenannte Preisgleitklausel am Heizölpreis - gleich ob es nun aus Russland, Norwegen oder Holland kommt. Die Ölpreise aber haben sich im vorigen Jahr fast verdoppelt. Und im ersten Habjahr 2000 sind sie nochmals um 16 Prozent gestiegen, wie Gasag-Sprecher Klaus Haschker gestern sagte.

Das Gas-Unternehmen zieht nicht das erste Mal nach. Schon zum 1. April waren die Berliner Gaspreise um zehn Prozent erhöht worden. Ein nur schwacher Trost ist da, dass die Gasag zuvor in den Jahren seit 1995 sechsmal die Tarife gesenkt hatte. Sie ist der größte kommunale Gasversorger Europas. Von ihren 700 000 Kunden in der Stadt heizen 600 000 auch mit Gas.

Als direkten Trost gab das Unternehmen gestern eine Vergleichsrechnung weiter: Die Heizölkosten für ein typisches Einfamilienhaus seien in den letzten zwölf Monaten um 52 Prozent gestiegen. Bei Gasheizung sind es, wie es heißt, nur 23 Prozent.

Viele Berliner werden erst mit den nächsten Heizkosten-Abrechnungen begreifen, was das für sie als Mieter bedeutet. Für den Tagesspiegel hatte die Firma "Wärme GmbH Berlin" im Juni berechnet, wie das Öl sich in den Kosten einer 60-Quadratmeter-Wohnung niederschlägt. Innerhalb eines Jahres waren die Heizkosten danach rechnerisch für diese Wohnung von 792 auf 1267 Mark gestiegen. Nur der milde Winter und das warme Früjahr verhinderten das Schlimmste.

Entwarnung gibt es beim Heizöl nicht. "Kaum schöpft man Hoffnung, kommt wieder die kalte Dusche", hieß es gestern bei der Preisansage der Verbraucherzentrale (Telefonnummer 0190/161 131). Die Preise, die Mitte voriger Woche zu stagnieren schienen, sind am Freitag schon wieder um durchschnittlich 1,50 DM je Hektoliter hochgegangen. Es gibt kaum noch Hoffnung, dass die Deutschen sich den Tank im Sommerloch irgendwann noch billig füllen können.

Das bedeutet unter dem Strich aber auch, dass das Leben für alle teurer wird. Schon im Juni führte das Statistische Landesamt die Beschleunigung des Preisauftriebs gegenüber dem Vorjahr im Wesentlichen auf die Kosten für Kraftstoffe und Heizung zurück. Der Einzelindex "Wohnung, Wasser, Strom, Gas und Brennstoffe" stieg deshalb um 2,1 Prozent gegenüber Juni 1999. Der Index zum Verkehr ging in der Zeit um 6,6 Prozent hoch.

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