Berlin : Alpha-Journalist

Matthias Platzeck

Aus dem Buch „Republik der Wichtigtuer“ der Tagesspiegel-Redakteurin Tissy Bruns habe ich – unter anderem – gelernt, dass es in Deutschland neuerdings Alpha-Journalisten gibt. Journalisten, die meinungsstärker, themenbestimmender und damit einflussreicher sind als ihre Kollegen. So neu ist diese Feststellung wahrscheinlich in Wirklichkeit nicht, neu ist wohl nur die Bezeichnung. Wenn Sie aber treffend ist, dann gebührte sie in meinem Bundesland Brandenburg in der Zeit seit der Wende nur wenigen – was Dauer und Intensität angeht, aber vor allem einem: Michael Mara.

Ja, Michael Mara hat sich seit 1990 in Brandenburg den Ruf eines Alpha-Journalisten erarbeitet. Unzählig sind in den vergangenen 17 Jahren die Themen, auf die er als erster Journalist gestoßen ist, sie recherchiert und publiziert hat – und die dann die Veröffentlichungen anderer Medien beeinflussten. Oftmals hat er damit auch politisches Agendasetting, wie das jetzt so schön neudeutsch heißt, für die Brandenburger Landespolitik betrieben. „Hast du schon gelesen, was der Mara im Tagesspiegel geschrieben hat?“ war ein Satz, der am Rande mancher Fraktions- oder Kabinettssitzungen das Gesprächsthema bestimmte. Michael Mara war der erste westdeutsche Journalist, der in der Wendezeit nach Potsdam kam. Und neben der Landespolitik war das Wohl und Werden dieser Stadt sein großes Thema der vergangenen 17 Jahre. Bei aller kritischen Berichterstattung über kommunalpolitische Entwicklungen, hat er es aber auch immer verstanden, seine Liebe zu unserer Landeshauptstadt Potsdam, ihrer Geschichte, ihrer Schönheit und ihren Potenzialen an seine Leser zu vermitteln. Wenn heute der „Spiegel“ Potsdam als „heimliche Hauptstadt Deutschlands“ beschreibt, fußt diese Einschätzung auch auf den fast zwei Jahrzehnte währenden Beobachtungen von Michael Mara.

Tissy Bruns sieht übrigens die Gattung der Alpha-Journalisten durchaus kritisch. Mag richtig sein; aber von der Regel gibt es auch immer Ausnahmen. Michael Mara jedenfalls hat seine Fähigkeiten und Talente nicht missbraucht, sondern im – besten Sinne – im Interesse seiner Leser in Potsdam, Brandenburg, Berlin und darüber hinaus eingesetzt. Ich wünsche mir, dass er auch im Ruhestand weiter dann und wann publiziert. Von einem bin ich überzeugt: seine Stimme, seine Meinung, seine Kritik werden auch in Zukunft gebraucht – und Gehör finden.

Matthias Platzeck ist Ministerpräsident von Brandenburg

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