Berlin : Als die Filmer laufen lernten

Zur Verleihung des Nachwuchspreis „First Steps“ im Theater am Potsdamer Platz kamen die Größen aus dem deutschen Kino und TV

Andreas Conrad

Von Andreas Conrad

Und dann kam doch alles ganz anders, als zu erwarten war. Noch jeder, der den verstolperten Einzug der Nominierten, der Jurymitglieder, der Organisatoren und vor allem der Gäste der „First Steps“-Gala im Theater am Potsdamer Platz beobachten durfte, hätte doch darauf gewettet, dass Ähnliches, schon um das Gesetz der Serie zu erfüllen, dann auch gleich zu Beginn auf der Bühne sich wiederholen würde. Hat es aber nicht: Weder Moderatorin Jessica Schwarz noch Regisseur und Mitinitiator Nico Hofmann noch auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, der seinen Urlaub extra um einen Tag verkürzt hatte, leisteten sich einen Fehltritt. Kein Stolpern, Straucheln, Hinschlagen. Nur feste Schritte, wohlgesetzte Worte, der eine oder andere Scherz, unzählige „herzliche“ bis „heftige“ Dankeschöns nach verschiedenen Seiten, nicht mal ein Heiterkeit auslösender Lapsus linguae.

Da war es draußen noch ganz anders zugegangen, komisches Pech für die Betroffenen, aber doch irgendwie passend für die Verleihung eines Nachwuchsfilmpreises mit dem Titel „First Steps“. Zu ersten Schritten gehört nun mal, dass sie hin und wieder daneben gehen. War es die erste, die zweite oder die dritte Stufe, die zum Eingang des Theaterbaus hochführte? Lag es daran, dass die Fotografen genau dort postiert waren? Jeder von Bedeutung, aber auch die anderen blinzelte natürlich in die Objektive statt nach unten und – hoppla, schon wieder einer!

Zum vierten Mal bereits wurde der Preis vergeben, eine Initiative von Bernd Eichinger (Constantin Film), Nico Hofmann (teamWorx), J. Justus Schneider (Mercedes-Benz), Martin Hoffmann (Sat 1) und Stefan Aust (Spiegel TV). Alles gestandene Herren, wissend um die Stolpersteine des Geschäfts und entsprechend vorsichtig, trotz mittelschwerer Blitzlichtgewitter, als sie die Szene betraten. Reichlich Laufpublikum hatten sie nicht, der Preis gewinnt zwar an Gewicht, aber viel mehr als zufällige Zaungäste lockt sie noch nicht an. Der Teppich ist auch gar nicht rot, sondern orange, ein Zugeständnis an die Corporate Identity der „First Steps“, zu der nun mal die Farbe Orange gehört.

Obwohl die Ausbeute für die professionellen Promi-Jäger gar nicht mal so klein war. Schon die diversen Jurys für die Kategorien Spiel-, Dokumentar- und Werbefilm hatten einiges zu bieten, den Detlev Buck beispielsweise und den Gerd Ruge, der ganz verdattert schien, was sich da an Geflacker auf ihn entlud. Professioneller in der Selbstdarstellung war da schon Drag Queen Olivia Jones in ihren rosa Strümpfen, die immer wieder eines ihres endlosen Beine anwinkeln („Ich bin doch kein Flamingo“) und die Hände triumphierend zum Himmel strecken musste. Rosa von Praunheim, wieder mal im Silberschuppen-Jackett, hatte gleich Helene Schwarz („Mein neuer Star“) mitgebracht, auch Natalia Wörner, Lisa Martinek und Inga Busch (stolperte!) drehten und wendeten sich sehr willig nach allen Seiten.

Das Wichtigste dann kurz nach acht: die Filme. Immer in kleinen Appetithappen, vorneweg die Kurzfilme, bei den „Tube Swapper“ von Meike Walcha (Kunsthochschule für Medien Köln) gewann. Dazwischen immer Jessica Schwarz mit modisch vorgeschnalltem Mikro und einem sinnverwirrenden Kleid. Nicht dass es zuviel Haut gezeigt hätte, im Gegenteil. Aber dieses Gewimmel weißer Gebirge auf schwarzem Grund mit roter Sonne – ein Stolperstein fürs Auge.

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