Berlin : Als die Gören frech geworden

Der Tagesspiegel wird 60 – und bietet seinen Lesern Zeitreisen in die Vergangenheit der Stadt an. Diesmal geht es zurück in die 70er Jahre – zu den ersten Kinderläden, ins Grips-Theater und ins ICC

Christoph Stollowsky

Konservative Gemüter witterten „linke Umtriebe“. Sie erregten sich über aufmüpfige Gören in den ersten Kreuzberger Kinderläden, über freizügige Aufklärungsstücke im Grips-Theater und den erwachten feministischen Widerspruchsgeist der Frauen. Zugleich machten Terroristen mit der Entführung von Peter Lorenz Schlagzeilen, eine neue Besuchsregelung erleichterte Ausflüge über die Mauer, und beide Seiten der Stadt übertrumpften sich mit neuen Megabauten wie dem ICC und dem Palast der Republik: In den 70er Jahren spitzten sich im Westen die gesellschaftlichen Konflikte zu, während das Eis des Kalten Krieges ein wenig schmolz.

Der Tagesspiegel lädt seine Leser mit der heutigen vierten Folge seiner Jubiläums-Serie zu Zeitreisen in dieses Jahrzehnt ein. Anlass ist der runde Geburtstag: Vor 60 Jahren, am 27. September 1945, erschien die erste Ausgabe des Tagesspiegels. Deshalb haben wir 24 Zeitreisen organisiert. Wir führen Sie zurück in die vergangenen sechs Jahrzehnte, deren Geschichte und Geschichten unsere Zeitung begleitet hat: Exklusive Touren durch die Stadt, Ausflüge zu geheimen Orten, die eng mit der Historie verbunden, aber normalerweise verschlossen sind.

Hunderte Teilnehmer der ersten elf Zeitreisen in die 40er, 50er und 60er Jahre sind schon ausgelost und unterwegs. Sie klettern mit Helm und festem Schuhwerk wie Höhlenforscher in den Flakbunker am Humboldthain hinab, spazieren übers Dach des Flughafengebäudes Tempelhof und durch den Fundus des Alliierten-Museums, rollen im BVG-Bus aus den Fifties durch Mitte oder schauen von den Turmkuppeln des „Frankfurter Tores“ an der Karl-Marx-Allee auf Berlin hinunter. Heute folgt nun die vierte Runde. Wir stellen vier Zeitreisen in die 70er vor (s. Kästen): Wer teilnimmt, erlebt das ICC, wie es wenige kennen, schaut hinter die Kulissen des Grips-Theaters oder entdeckt verborgene Atomschutzbunker, die trotz der Entspannungspolitik in den 70ern gebaut wurden. Und das Kino „Arsenal“ bringt diesmal das Berliner Zeitgefühl der 70er auf die Leinwand. Vom 2. bis 6. Oktober präsentieren wir dann die Touren in die 80er Jahre. Und so geht es weiter: Jeweils zehn bis 14 Tage vor Beginn der nächsten Ausflugsrunde kündigen wir die dazugehörigen Touren an. Damit Sie sich rechtzeitig bewerben können.

So melden Sie sich an : Für die 70er Jahre rufen Sie am Montag zwischen 10 und 18 Uhr an, Tel.: 260 09-704. Oder Sie senden eine Mail bis Mittwoch: geheimnistouren@tagesspiegel.de. Geben Sie Ihre Favoriten und Alternativen an. Gehen mehr Anmeldungen ein, als es Plätze gibt, wird ausgelost. Wer einen Platz erhält, wird über Weiteres informiert. Die Teilnahme an den Touren 1, 2 und 4 kostet acht Euro pro Person, an Tour 3: 16 Euro.

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