Berlin : Als die Macht der Lichter siegte Fernsehgottesdienst kam diesmal aus Lichterfelde

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Erster Advent, und schon kurz nach neun Uhr ist in der Kirche der katholischen Gemeinde Heilige Familie kaum noch ein Platz zu bekommen. Die Lichterfelder haben ihren großen Tag: Der ZDFFernsehgottesdienst wird aus ihrer Pfarrei übertragen. Die Kirchengemeinde, die in diesem Jahr Jubiläum feierte, zeigte sich ihres Namens würdig und kam in familiärer Schar. Als der Backsteinbau 1904 übergeben wurde, gehörte Lichterfelde noch zum Landkreis Teltow. Und in der stillen Wohngegend mit den gepflegten Häusern schien auch gestern die Großstadt sehr fern.

So fern wie die Geschichte des geteilten Berlin. An sie erinnerte Pfarrer Ulrich Hampel in seiner Predigt. Er begann mit der Lichterpracht der Weihnachtsdekoration am Potsdamer Platz und führte seine Zuhörer in die Zeit, als der Platz in der Mitte Berlins noch ein Brachfeld mit Todesstreifen war.

Drei Wochen vor dem ersten Advent 1989 saßen nicht weit von dieser Stelle jubelnde Menschen am Brandenburger Tor auf der Mauer – der „Eiserne Vorhang“ war gefallen. Auch , weil Christen und Nichtchristen, die zuvor in den Kirchen bei Friedensgebeten aufgestellten Kerzen als Waffe ihrer gewaltlosen Demonstrationen mit nach draußen nahmen.

Als die Macht ihrer Lichter siegte, meinten damals viele überglücklich, vom Dunkel der Unterdrückung ins Licht der Freiheit gekommen zu sein. Heute, so der Pfarrer, scheint vielen diese Freude verflogen zu sein. Manche wünschten sich gar alte Zeiten zurück, sei doch scheinbar kein Licht am Ende des Tunnels erkennbar. Das habe schon die Bibel beschrieben: Als das Volk Israel der Gefangenschaft in Ägypten entkam, musste es mühselig durch die Wüste. Da sehnten sich viele zurück „nach den Fleischtöpfen Ägyptens“. Nicht den Mut zu verlieren, sondern sich bereitzuhalten, schrieb der Apostel Paulus an die Römer: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe.“ Der Tag, an dem sich Gott uns in Gestalt eines Kindes nähert. Wehrlos wie Kerzen tragende Menschen, die einen Machtapparat stürzen. Lichtträger zu sein, will Gott uns in der Adventszeit ermuntern – „bis er kommt in Herrlichkeit“. hema

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