Berlin : Als Genossenschaft wollen Bewohner einer Immobilienfirma zuvorkommen

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Unruhe, Ungewissheit, Angst: So lässt sich die Stimmung beschreiben, die im Oktober unter den Bewohnern der "Bremer Höhe" an der Schönhauser Allee breit gemacht hat. Die Unruhe hat einen Grund: Einige Mieter aus den 514 Wohnungen in 48 Häusern zwischen Schönhauser Allee, Gneiststraße, Pappelallee und Buchholzer Straße hatten erfahren, dass die Wohnungsbaugesellschaft in Prenzlauer Berg (WIP) die Wohnungen verkaufen will, um ihre Verpflichtungen nach dem Altschuldenhilfegesetz zu erfüllen. Und so kam es. Im Dezember unterzeichneten die Vorstände der WIP und des "Bauverein zu Hamburg" einen Kaufvertrag über 27,75 Millionen Mark. Der Plan des neuen Investors, die teils maroden Altbauwohnungen, die oft nur Außentoiletten und Ofenheizungen besitzen, aufwendig zu sanieren und anschließend als Eigentumswohnungen zu verkaufen, ließ die Stimmung im Kiez fortan zwischen Verzweiflung und Wut wechseln.

Doch eine kleine Gruppe von Anwohnern ließ sich von den Plänen nicht entmutigen. "Wir lassen uns nicht privatisieren, sondern privatisieren selbst", dachten sich Anwohner um den Rechtsanwalt und Mieterberater Ulf Heitmann. Am 16. November fassten 30 Mieter bei einem Abend im "Kieztreff" am Helmholtzplatz den Beschluss, die Wohnungsbaugenossenschaft "Bremer Höhe" zu gründen.

Inzwischen hat die Genossenschaft in Gründung bereits 50 Mitglieder. Weitere 50 würden gern beitreten. Ihren Elan beziehen die Mitglieder aus einem Brief der WIP vom 1. Dezember. Das Schreiben enthielt ein Angebot an die Genossenschafter: Wenn die "Bremer Höhe" bis zum 30. April 2000 eine Finanzierung vorlegt, kann der Vertrag mit dem Hamburger Investor gelöst werden. Weiteren Rückenwind erhielt die junge Genossenschaft aus Richtung des neuen Bausenators. Peter Strieder (SPD) stellte am 28. Januar klar, dass er die Gründung von Wohnungsgenossenschaften unterstützen will.

Der Vorstand der Genossenschaft "Bremer Höhe" räumte gestern ein, dass die Gespräche mit möglichen Kreditgebern erst noch bevorstehen. Doch Sprecherin Roswitha Fechner, die seit drei Jahrzehnten in der Gneiststraße wohnt, gab sich optimistisch. Tenor: Der Kaufpreis ist zwar sehr hoch, aber wenn man alle Möglichkeiten zur Förderung aus Töpfen des Landes Berlin zusammenzählt, kommt ein beträchtliche Summe zusammen. Dennoch bleibt ein Millionenbetrag offen. Diese Lücke soll mit Krediten geschlossen werden.

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