Berlin : Als Libanese getarnt: KriminellerTürke abgeschoben

41-Jähriger hatte schon 1986 eine falsche Identität angegeben Er war mehrfach straffällig geworden. Drei seiner Söhne gelten als Serientäter

Tanja Buntrock

Nach umfangreichen Ermittlungen hat die „Gemeinsame Ermittlungsgruppe Ident“ beim Landeskriminalamt am Donnerstag einen 41-jährigen Mann in sein Heimatland Türkei abgeschoben. Vier Beamte der „EG Ident“ saßen mit im Flugzeug nach Istanbul. Die Polizei hatte den Mann um 12 Uhr in der Wohnung seiner Frau in der Neuen Kantstraße in Charlottenburg angetroffen und festgenommen.

Unter dem Namen „Kanan el-Z.“ hatte der achtfache Vater seit 1986 hier in Deutschland gelebt und mehrfach Asylanträge in ganz Deutschland – auch in Berlin – mit libanesischen Personalien gestellt. Die Ermittler konnten dem Mann nun nachweisen, dass er in Wirklichkeit Kenan G. heißt und türkischer Staatsangehöriger ist. Mit dem „Trick“, die türkischen Dokumente zu vernichten und sich als libanesische Staatsangehörige auszugeben, haben in der Vergangenheit viele Türken – vor allem aus dem türkischen Teil Kurdistans stammend – gearbeitet: Sie glaubten sich somit in Sicherheit, da der Libanon sich weigert, Staatsangehörige wieder aufzunehmen. 1987 hatte „Kanan el-Z.“ eine Duldung beantragt, mit der er sich seitdem in Deutschland aufhält.

Elf Jahre später sind verschiedene Anträge auf eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis und Einbürgerung „wegen der erheblichen Straffälligkeit“ des Mannes abgelehnt worden, hieß es bei der Polizei. So wurde er acht Mal zu Haft- und Geldstrafen verurteilt – unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung und Anstiftung zur Beleidigung. Seine Frau und die acht Kinder erhielten zwischen Juni 1997 und März 2002 Sozialhilfe in Höhe von 159 000 Euro. „Wahrscheinlich bezog er selbst darüber hinaus Sozialhilfe“, sagte ein Ermittler. Auch drei seiner Söhne – elf, 15 und 17 Jahre alt – sind schon so oft straffällig geworden, dass sie in der polizeilichen und staatsanwaltlichen Intensivtäterliste geführt werden. „Die haben alle möglichen Delikte, außer Kapitalverbrechen, begangen“, sagte ein Ermittler. Es werde auch geprüft, ob und inwieweit die restlichen Familienmitglieder abgeschoben werden können, hieß es bei der Polizei. Dies ist die 35. Abschiebung der „EG Ident“. Darüber hinaus hätten 24 Tatverdächtige „wegen des Ermittlungsdrucks“ freiwillig das Land verlassen.

Am vergangenen Wochenende war die Polizei bei einem Großeinsatz bundesweit mit mehreren Durchsuchungen gegen 27 Angehörige der mutmaßlich kriminellen kurdischen Großfamilie A. vorgegangen. Den Einsatz leitete die „EG Ident“. Verhaftet wurden ein 41-Jähriger der Familie A. und ein 40-Jähriger aus einer befreundeten Familie. Bei der Razzia wurden unter anderem eine Pumpgun, Pistolen und Munition gefunden.

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