Berlin : Als Terroristen verunglimpft

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In ruhigen Zeiten fallen die etwa hundert männlichen Sikhs, die in Berlin leben, als exotische Mitbürger auf. Die Inder tragen als Zeichen ihrer Religionszugehörigkeit Turbane und Bärte. Seit dem 11. September aber gibt es immer wieder böse Blicke und diskriminierende Sprüche. Gestern stellte die Ausländerbeauftragte des Senats, Barbara John, Mitglieder der Sikh-Gemeinde vor. In einer Stadt mit 250 ethnischen Minderheiten könnten die äußeren Merkmale dieser Gruppen nicht allen bekannt sein, sagte John. Sikhs aber seien besonders gefährdet, weil ihre Turbane entfernte Ähnlichkeit mit den Kopfbedeckungen der Taliban-Kämpfer hätten und sie aus religiösen Gründen zum Tragen von Bärten verpflichtet seien. Frauen kleiden sich im Alltag westlich.

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Themenschwerpunkte: Gegenschlag - Afghanistan - Bin Laden - Islam - Fahndung
Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags "Da kommen die Bombenleger", hörte der Vorsitzende der 200-köpfigen Sikh-Gemeinde, Jaswinder Singh, als er mit zwei Vorstandskollegen ein Postamt betrat. Gemeindesprecher Amarjeet Singh, der seit 25 Jahren deutscher Staatsbürger ist, lief an einer Straßenbaustelle vorbei. "Noch so ein bin Laden", sagte ein Bauarbeiter zum anderen. Die Sikh-Religion hat tatsächlich einen teilweise islamischen Ursprung. Religionsgründer Guru Nanak entwickelte die neue Glaubensrichtung am Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert als eine Alternative zu Islam und Hinduismus. So glauben Sikhs an einen Gott und gleichzeitig an die Wiedergeburt. Es sei eine friedliche Religion, so Amarjeet Singh, die ihre Anhänger nicht über andere Glaubensrichtungen erhebe.

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