Berlin : Alte Aktien hoch im Kurs

Reichsbankschatz wird versteigert

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Jahrzehntelang lagerten 30 Millionen historische Wertpapiere in den Tiefkellern der früheren Reichsbank am Werderschen Markt in Mitte. Die DDR konnte man mit dem während der Nazizeit angelegten Depot nichts anfangen. Die riesigen Aktienpakete nahmen nur Platz weg. Nach der Wiedervereinigung wurde der so genannte Reichsbankschatz wieder interessant – für Sammler. Denn die Papiere entsprachen keinem Unternehmenswert mehr. Die Fans zahlten immerhin noch insgesamt 4,4 Millionen Euro, als die Papiere versteigert wurden .

Von der dritten Veranstaltung dieser Art am Pfingstsamstag erwartet Auktionator Christian Stoess wieder regelrechte Bieterschlachten. 2,5 Millionen Wertpapiere in Paketen von hundert Stück und mehr sollen im Minutentakt neue Besitzer bekommen. Interessenten seien unter anderem Münz- und Geldscheinhändler, aber auch einzelne Sammler, die sich etwa für Auto-, Eisenbahn- oder Brauereiaktien begeistern. Dazu kommen Firmen, die ihre eigenen Wertpapiere zurückkaufen, um sie Geschäftsfreunden oder langjährigen Mitarbeitern zu schenken.

Horst-Dieter Kittke, der Präsident des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen, hofft, dass die jetzt anstehende Auktion wieder einen Millionenerlös einfährt. „Der Ertrag kommt Opfern der DDR-Willkür sowie Personen zugute, die vom Bund etwa für verloren gegangene Grundstücke entschädigt werden müssen. Außerdem haben wir eine Abmachung mit der Jewish Claims Conference, die aus den Erträgen einen gewissen Anteil erhält“. Denn unter jenen 30 Millionen Wertpapieren seien auch solche, die in der Nazizeit Juden geraubt wurden“. Größter Einzelposten sei das Los Nummer 5750. Es besteht aus etwa einer Million Aktien der I. G. Farben, also jenes Konzerns, der auch für das Giftgas Zyklon B produzierte.

Auktionator Stoess beobachtet, dass sich immer mehr Menschen für historische Wertpapiere „als aussagestarke Zeugnisse der Wirtschaftsgeschichte, aber auch als sehenswerte Grafiken interessieren“. Dies nicht zuletzt wegen der interessanten Gestaltungen und der Unterschriften vieler Prominenter. Die ganze Berliner Finanzwelt des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ist auf den Drucken vertreten. HC

Auktion am 2. Juni ab 10 Uhr im Bundesgesundheitsministerium, Wilhelmstraße 49 (Mitte). Katalog im Internet: www.reichsbankschatz.de

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